Warum die Chinesen die Amerikaner im KI-Wettrennen schlagen werden

Mehr Daten und hungrigere Unternehmer: Das sind die chinesischen Trümpfe im Kampf um die KI-Lufthoheit.

Wenn sich Donald Trump und Xi Jinping am kommenden Samstag in Buenos Aires treffen werden, dann geht es vordergründig um Handelsverträge, Zölle und Patentrechte. Hintergründig jedoch geht es auch um die Gretchenfrage des 21. Jahrhunderts: Wer wird die führende Nation auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz (KI) sein?

Noch zu Beginn dieses Jahrhunderts wäre das eine absurde Frage gewesen. Die USA besassen mit dem Silicon Valley das Epizentrum der digitalen Revolution. Wer es in der KI auf einen grünen Zweig bringen wollte, schlug seine Zelte in der Nähe von Palo Alto auf. Die Chinesen wurden als fleissige, aber harmlose Nachahmer belächelt.

Das war gestern. China werde das KI-Wettrennen klar gewinnen, lautet heute die These, die Kai-Fu Lee in seinem Buch «AI Superpowers» vertritt.

Lee ist nicht irgendwer. Bevor er in China seine eigene Firma gegründet hat, war er in führender Position bei Apple und Microsoft tätig gewesen, und er hat Googles Geschäft in China aufgebaut. Sein Buch gilt in der KI-Szene derzeit als must read.

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Hat ein wichtiges Buch geschrieben: Kai-Fu Lee.

Lees These lässt sich wie folgt zusammenfassen: KI ist heute kein akademisches, sondern ein praktisches Problem. Dank dem Deep Learning sind die theoretischen Fragen weitgehend gelöst, es geht nun um die Umsetzung. Auf diesem Gebiet hat China die besseren Karten: Die Unternehmen haben mehr Hunger, es hat mehr Daten und es gibt eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und dem Staat.

Grundlage der KI ist das sogenannte Deep Learning. Will heissen: Man will der Software nicht mehr logisches Denken beibringen, wie das lange der Fall war. Vielmehr geht es darum, Algorithmen zu entwickeln, die es der Software erlauben, dank einer Fülle von Daten selbstständig Muster zu erkennen. In der Praxis bedeutet dies viel und langweilige Routinearbeit.

Unmengen von Fotos und Videos müssen den Robotern gefüttert werden, bevor sie wissen, was ein Auto, ein Rotlicht oder eine Schokolade ist, und dass sie erkennen, dass eine Katze eine Katze ist, unabhängig davon, ob sie weiss oder schwarz ist.

Typische Beispiele, in denen Deep Learning bereits eingesetzt wird, sind die selbstfahrenden Autos oder die Diagnose von Krankheiten. «Wir sind so aufgeregt über Deep Learning, weil seine Kernkompetenz – die Fähigkeit, Muster zu erkennen, sie für einen bestimmten Zweck zu optimieren und Entscheide zu fällen – für viele und verschiedene Alltagsprobleme eingesetzt werden kann», stellt Lee fest.

Weil die theoretischen Fragen gelöst sind, schlägt nun die Stunde der Praktiker. «Der grösste Teil der schwierigen abstrakten KI-Arbeit ist getan», so Lee. «Jetzt müssen die Unternehmer die Ärmel hochkrempeln und die Algorithmen in nachhaltige Businessmodelle umsetzen.»

Um den Charakter der chinesischen Unternehmer-Generation zu verdeutlichen, schildert Lee folgenden Vorfall. Um die Jahrhundertwende hielt er einen Vortrag an einer Universität in Peking. Spät abends kehrte er auf den Campus zurück. Dabei stellte er fest, dass immer mehr Studenten aus ihren Schlafsälen kamen und sich auf die Strasse setzten.

Bald erkannte Lee den Grund dieses seltsamen Rituals. In den Schlafsälen wurde um 23 Uhr das Licht gelöscht. Die Studenten setzten sich unter Strassenlampen, um so ein paar zusätzliche Lernstunden in ihren schon arbeitsreichen Tag pressen zu können.

Die Studenten von damals sind die Unternehmer von heute. Lee vergleicht sie mit römischen Gladiatoren. Wer den erbarmungslosen Wettbewerb in der chinesischen Start-up-Szene überlebt, den kann nichts mehr schrecken.

Das im Westen verpönte Kopieren hat dabei einen speziellen Wert. «Genau dieses weitverbreitete Klonen hat die Unternehmen zur Innovation gezwungen», so Lee. «Wer im Internet-Kolosseum überleben will, muss permanent Produkte wiederholen, Kosten im Griff haben, fehlerlos produzieren, positive PR generieren, Geld auftreiben. […] Dieser Friss-oder-stirb-Wettbewerb, in dem man ständig von rücksichtslosen Nachahmern umgeben ist, hat die hartnäckigste Unternehmensgeneration der Welt hervorgebracht.»

Der gnadenlose Wettbewerb im chinesischen Internet-Kolosseum zeigt Früchte. So hat die UBS kürzlich in einer Vermögensstudie festgehalten, dass in China alle zwei Tage ein neuer Milliardär entsteht. Der «Economist» meldet derweil, dass es inzwischen mehr chinesische Unicorns – Start-ups, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind – gibt als im Silicon Valley.

Selbst der ehemalige technologische Rückstand der Chinesen erweist sich nun als Wettbewerbsvorteil. Desktop-Computer waren bloss einer Elite vorbehalten.

Für die normalen Chinesen hat das digitale Zeitalter mit dem Smartphone begonnen. Inzwischen ist es ein «digitales Schweizer Armeemesser» geworden, wie Lee sich ausdrückt.

Mit dem Smartphone erledigen die Chinesen praktisch alles. Bargeld ist aus dem Alltag verschwunden. Selbst die Bettler in Peking würden ihre Adressen bei Alipay oder WeChat angeben, spottet Lee. Shoppen, Flirten, Einkaufen, alles spielt sich online mit dem Smartphone ab.

Das wiederum verschafft den Chinesen einen wichtigen Vorteil im KI-Bereich: «Die Daten, die derzeit im mobilen Zahlungsverkehr generiert werden, ermöglichen die besten Einsichten über das Konsumverhalten, das die Welt je gesehen hat», stellt Lee fest. «Sie sind viel präziser als diejenigen, welche den Kreditkartenunternehmen und Online-Detaillisten wie Amazon oder Plattformen wie Google oder Yelp zur Verfügung stehen.»

Bleibt noch die Zusammenarbeit mit dem Staat. In den USA ist staatliche Unterstützung grundsätzlich verpönt. Politiker, die sich für Subventionen einsetzen, gehen ein hohes Risiko ein. Als etwa bekannt wurde, dass der Solarzellenhersteller Solyndra rund 500 Millionen Dollar staatliche Subventionen verbrannte, brach ein Sturm der Entrüstung los.

In China sieht man das nicht so eng. «Chinesische Regierungsvertreter sind bereit, einen Verlust zu verkraften, um hoch gesteckte Ziele zu erreichen», stellt Lee fest. «Der potenzielle Nutzen einer erfolgreichen Transformation lohnt sich für sie.»

«Wer die KI beherrscht, beherrscht die Welt», soll Wladimir Putin gesagt haben.

Tatsächlich wird KI automatisch in Verbindung gebracht mit Cyberwar, Robotersoldaten, Drohnen, etc. Für Lee liegt die Gefahr nicht im militärischen, sondern im ökonomischen Bereich. Wegen der KI wird sich die bereits bestehende grosse Ungleichheit nochmals massiv verstärken.

Rund 40 Prozent der Arbeitsplätze werden gemäss Lee verschwinden. Und all dies wird sehr bald der Fall sein.

Die eigentliche Herausforderung der KI ist daher das Schaffen einer Gesellschaftsordnung, die in der Lage ist, die Würde der Menschen zu erhalten. Der Markt wird es nicht richten. «Die sich selbst korrigierenden Mechanismen des freien Marktes werden in einer Wirtschaft, die von KI getrieben wird, zusammenbrechen», so Lee. «Tiefe Arbeitskosten haben keinen Vorteil gegenüber Maschinen, und Daten-Monopole werden sich fortwährend am Leben erhalten.»

Es wird daher noch sehr viel menschlichen Verstand und noch mehr Empathie brauchen, wenn wir nicht in einem dystopischen Techno-Oligopol enden wollen. «Ich will nicht in einer neuen technischen Kastengesellschaft leben, in der sich eine KI-Elite abschottet, in unvorstellbarem Luxus lebt und den Rest der Menschheit mit Krümeln abspeist», so Lee. «Ich möchte in einer KI-Welt leben, die für alle Wohlstand kreiert. In einer Gesellschaft, die mehr Mitgefühl und Liebe hat.» Dass Lee zuerst an Krebs erkranken musste, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, ist eine andere Geschichte.

Source: Philipp Löpfe

Germany Pledges €3bn investment in artificial intelligence

Germany will spend €3 billion to boost its artificial intelligence capabilities over the next six years, as part of a belated effort by Berlin to catch up with leading AI nations such as China and the United States.

The spending pledge is part of a national AI strategy approved by Angela Merkel’s cabinet on Thursday, following a two-day seminar on digital challenges attended by the chancellor and her ministers.

Berlin expects federal funding to be matched by the private sector, taking investment to at least €6 billion.

“Today, Germany cannot claim to be among the world leaders in artificial intelligence,” Ms Merkel told journalists after the meeting. “Our aspiration is to make ‘Made in Germany’ a trademark also in artificial intelligence, and to ensure that Germany takes its place as one of the leading [AI] countries in the world.”

Research centres

The strategy paper also promises the creation of 100 university chairs with a focus on AI, along with additional research centres to complement facilities such as the German Research Centre for Artificial Intelligence (DFKI), which was founded in 1988. In total, Germany is aiming for a network of 12 centres for research, development and application of AI technologies offering “internationally attractive working conditions and pay”.

Analysts and industry representatives have long warned that Germany is falling behind rival countries in the field of AI, which is seen not only as critical for new products and markets but also as a potential threat to some of the country’s most important industries, especially the car sector.

Source: The Financial Times Limited

Google will Antworten geben, bevor jemand Fragen stellt

Die wichtigste Website der Welt verändert sich radikal: bunt und lang statt schlicht und kompakt. Google wird Milliarden Menschen vorsetzen, was sie angeblich wollen.

Finden statt suchen: Google plant mit seinem Feed Discover eine ziemlich radikale Veränderung seiner Suchseite.

Dieser Text besteht aus gut 1000 Wörtern. Wer bis zum Ende durchhält und durchschnittlich schnell liest, benötigt dafür etwa fünf Minuten. Im selben Zeitraum suchen Dutzende Millionen Menschen mit Google. Jedes Jahr verarbeitet es mehrere Billionen Suchanfragen und hat damit ein Quasimonopol. Googeln steht im Duden, gebingt wird höchstens beim Serienkonsum.

Wer auf seinem Smartphone sucht, nutzt dafür in 97 von 100 Fällen Google.

Genau jetzt, scheinbar auf dem Höhepunkt seiner Macht, will Google sich neu erfinden. Ende September gab das Unternehmen eine kleine Pressekonferenz in San Francisco und veröffentlichte mehrere Ankündigungen auf seinem Firmenblog. Die Weltöffentlichkeit nahm wenig Notiz, aber diese könnten Googles Vorhaben grundlegender verändern, als den meisten Menschen klar ist.

Im Laufe der kommenden Wochen wird sich die meistaufgerufene Seite des Webs radikal verändern. Wer dann Google.com auf seinem Smartphone eingibt, sieht das gewohnte Suchfeld – und darunter eine lange Liste mit Artikeln, Videos und anderen Vorschlägen. Dieser Feed erinnert an soziale Netzwerke, und ähnlich wie Facebook und Twitter könnte Google auch Werbung darin anzeigen, erste Experimente laufen bereits.

«Bekommen Sie mehr als eine Antwort, wenn Sie Google nutzen?»

«Die Menschen wollen, dass Google ihnen sagt, was sie als Nächstes tun sollen.» Das bricht mit Prinzipien, an denen Google zwei Jahrzehnte festgehalten hat: Die Startseite sollte schlicht sein, so schnell wie möglich laden und keine Werbung zeigen. Erst wer tippt, findet, und zwar meist das, was er gesucht hat. Um zu verstehen, warum Google diesen Schritt wagt, und was das für Milliarden Menschen auf der Welt bedeutet, helfen drei denkwürdige Zitate von Googles Topmanagern.

Bereits 2005 sagte der damalige Google-Chef Eric Schmidt: «Bekommen Sie mehr als eine Antwort, wenn Sie Google nutzen? Natürlich. Nun, das ist ein Fehler. Wir sollten wissen, was Sie meinten, und in der Lage sein, Ihnen nur eine exakt richtige Antwort zu geben.»

Fünf Jahre später gestand Schmidt ein, dass man nicht wisse, wie die Zukunft der Suche aussehe. «Aber eine Idee ist, dass wir Ihnen mehr und mehr Abfragen abnehmen, ohne dass Sie tippen müssen. Ich denke, dass die meisten Menschen nicht wollen, dass Google ihre Fragen beantwortet. Sie wollen, dass Google ihnen sagt, was sie als Nächstes tun sollen.»

2012 schliesslich schrieb Google-Gründer Larry Page in einem Brief an Investoren: «Wirklich gute Suche bedeutet, Bedürfnisse innerhalb eines Wimpernschlags in Aktionen zu übersetzen. Es geht darum, Dinge zu beschleunigen, damit Nutzer Zeit für die wichtigen Dinge in ihrem Leben haben.»

Google steigt in den weltweiten Kampf um unsere Aufmerksamkeit ein. Schmidt und Page haben frühzeitig erkannt, dass sich Google weiterentwickeln muss, um relevant zu bleiben. Die Dominanz bei der Websuche macht Google aktuell zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt, doch auch Myspace schien einst unaufhaltsam zu sein.

Kein Wirtschaftszweig ist so disruptiv wie die Tech-Branche, nirgends werden Fehler und Versäumnisse so gnadenlos bestraft wie im Silicon Valley.

Unternehmen wie Google müssen antizipieren, wie das Internet in fünf Jahren aussehen könnte, und ihre Strategie schon heute darauf ausrichten.

Als Google Ende der 1990er gegründet wurde, glich das Netz einem Dschungel, abenteuerlich und voller Überraschungen, aber auch unübersichtlich und ohne grosse Strassen. Google war der Pfadfinder, der das Dickicht der damals rund 25 Millionen Websites durchblickte und zuverlässig ans Ziel führte. Heute gibt es Hunderte Milliarden Seiten, aber der Urwald ist grösstenteils verschwunden und wurde durch Monokulturen ersetzt: Wenige Unternehmen dominieren grosse Teile des Internets. Sie haben das Unterholz gerodet und vielspurige Autobahnen gebaut, auf denen sich Nutzer durchs Netz bewegen.

Zum richtigen Zeitpunkt die passenden Inhalte anzeigen

Einige errichten hohe Mauern, damit die Menschen nicht sehen, dass es jenseits der Facebook-Plantage und des Amazon-Feldes noch mehr zu entdecken gibt: Mehr als die Hälfte der Menschen in riesigen Entwicklungs- und Schwellenländern wie Nigeria, Indien und Brasilien stimmt der Aussage zu, dass «Facebook das Internet ist». Wer nach Produkten sucht, nutzt dafür immer öfter direkt Amazon: Im vergangenen Jahr hat die Handelsplattform Google in dieser Kategorie den Rang abgelaufen und kann die besonders begehrten Werbeplätze selbst vermarkten.

Für Google sind das bedrohliche Entwicklungen. Auch deshalb steigt es nun in den weltweiten Kampf um Aufmerksamkeit ein.

Statt Nutzer möglichst schnell wegzuschicken, sollen sie künftig so lange wie möglich bleiben.

Dann kann Google mehr Werbung einblenden und mehr Daten sammeln. Denn darum geht es: Google wettet darauf, dass es mehr über seine Nutzer weiss als Facebook und ihnen zum richtigen Zeitpunkt die passenden Inhalte anzeigen kann.

Die Tracking-Werkzeuge des Konzerns durchziehen das Netz wie digitale Wanzen. Der Suchverlauf verrät Interessen, Pläne und heimliche Vorlieben, von denen nicht einmal die engsten Freunde wissen: das nächste Reiseziel, das Geburtstagsgeschenk für den Partner, manchmal sogar Schwangerschaften, noch bevor es die Frau selbst ahnt.

Google kennt die E-Mails von knapp anderthalb Milliarden Gmail-Nutzern und kann über Chrome und Android, den grössten Browser und das dominierende Smartphone-Betriebssystem, weitere wertvolle Daten sammeln.

Ab sofort heisst der Nachrichtenstrom Discover

Googles Werbenetzwerke und Tracking-Werkzeuge durchziehen das gesamte Netz wie digitale Wanzen, die Information über fast alle Klicks an Google übertragen. Diesen gewaltigen Datenschatz nutzt das Unternehmen, um personalisierte Werbung anzuzeigen. Nun soll er auch als Grundlage für individuell zugeschnittene Inhalte dienen.

Diese kuratierten Inhalte, die Google bald auf der mobilen Website standardmässig anzeigen will, wurden jahrelang getestet.

2012 startete Google Now, später wurde daraus der Google-Feed, ab sofort heisst der Nachrichtenstrom Discover. Bislang tauchen die Leseempfehlungen nur in der Google-App, auf bestimmten Android-Smartphones und im Chrome-Browser auf. Nach eigenen Angaben erreicht Google damit jeden Monat 800 Millionen Menschen, doch es ist unklar, wie intensiv diese damit interagieren. Klar ist dagegen, dass bald noch mehr Menschen mehr Zeit mit Discover verbringen werden, sobald Google seine Ankündigungen umsetzt und auf der mobilen Website Antworten anzeigt, bevor Nutzer Fragen stellen.

Discover wird Milliarden Menschen vorsetzen, was sie angeblich wollen.

Genau wie Amazon setzt Google darauf, dass Menschen künftig mit ihren Geräten reden werden. Persönliche Assistenten wie Alexa, Siri und der Google Assistant nisten sich über sprachgesteuerte Lautsprecher und Displays in Schlaf- und Wohnzimmern ein.

Als Google-Chef Sundar Pichai 2016 den Smart Speaker Google Home vorstellte, sagte er, dass jede fünfte mobile Suchanfrage gesprochen statt getippt werde.

Mittlerweile dürfte der Anteil noch grösser sein. Umso wichtiger wird es, Nutzern sofort die eine, richtige Antwort zu liefern: Es ist kein Problem, sich eine Seite mit Suchergebnissen anzusehen, aber niemand hört einer Computerstimme zu, wie sie zehn Resultate vorliest.

Discover wird Milliarden Menschen vorsetzen, was sie angeblich wollen – ob sie es wollen oder nicht.

Das mag bequem sein und viele Vorteile bieten, eine Sache aber könnte verloren gehen: Serendipität, also die Möglichkeit, Dinge zu entdecken, die man gar nicht gesucht hat. Google bietet Inhalte, die perfekt zum persönlichen Profil passen. Wer kreuz und quer durchs Netz surft oder eine Zeitung aufschlägt, kann Zufallsfunde machen, die Algorithmen aussortiert hätten: etwa einen langen Text über Google, für den man sich eigentlich gar nicht interessiert hat und den man jetzt doch bis zum Ende gelesen hat.

Source: Tamedia Simon Hurtz

AI Is Taking the Art Out of Sales. The salesperson who succeeds today is a sales scientist.

There are few professions with as much mystique as sales. A salesperson is revered for making the impossible happen and for overcoming insecurities and self-imposed limitations to close massive deals under pressure. We admire successful sales professionals because they do what we assume we could not: They close (and subsequently get that cup of coffee. Thank you very much, Alec Baldwin).

But times are changing and the salesman that has been portrayed in countless movies and TV shows is becoming irrelevant, or rather, obsolete.

Today’s sales professionals operate in a completely new environment. To be sure, some deals still happen in wood paneled boardrooms or over rounds of martinis, but most sales are being pursued in digital environments — email, websites, even text messages. It’s a big shift from cold calling, which was the most popular sales strategy for years.

According to a Forrester Report titled “Death of a B2B Salesman,” more than 20 percent of B2B phone sales reps will be out of a job by 2020, replaced entirely by ecommerce. The author of the report, Andy Hoar, explains why: “B2B buyer behavior has changed significantly in the past few years.

Nearly 75 percent of B2B buyers say buying from an ecommerce site is more convenient than buying from a sales rep, and 93 percent say they prefer buying online when they’ve already decided what to buy.”

Sorry, Jordan Belfort, your tactics won’t cut it anymore.

The change in environment demands an entirely new skill set.

“Today, sales organizations still need ‚The Closer,‘ individuals who doggedly pursue deals,” says Uzi Shmilovici, founder and CEO of Base CRM, an AI powered customer relationship management system. “But that characteristic is competing with others that are actually more relevant today.

The salesperson who succeeds today is a sales scientist, an individual who can plan meticulous campaigns in a digital context to drive large volumes of deals to close.”

In the past decade, the outreach abilities of a single salesperson have increased exponentially from just the number of people that could be called in a day, to the number of people that could be emailed and targeted with customized pitches.

Now, artificial intelligence plays an important role in the modern sales office, helping to declutter and refine customer relationship management. These AI platforms monitor a salespeople’s habits over time and then begin to make recommendations to improve their performance. Shmilovici says prescriptive sales platforms do more than project sales numbers in the future, they make meaningful recommendations for improvement.

“Most CRM technologies help you to see how much you have sold, how much you are likely to sell, and which factors are most influencing your performance,” he says.

“Prescriptive sales goes further than that by identifying which practices actually improve sales performance.

These data-driven pieces of advice empower salespeople to take advantage of opportunities they may not have otherwise.”

Simply by observing how salespeople work and what is successful, prescriptive sales platforms learn best practices, and those can be incredibly precise. For example, it may find that cold pitch emails are 20 percent more effective on Tuesdays than they are on Mondays. It may discover that placing a follow-up call within 10 minutes of a web registration increases conversion. There is nearly an infinite number of potential insights that could be uncovered.

Humans working by themselves do not process large scale data effectively. But a prescriptive sales platform running quietly in the background can, and its recommendations add a layer of sales intelligence to every business.

Partnering with an AI to improve sales performance requires more of the disposition of a scientist than a Glengarry Glen Ross. In the famous speech given by Alec Baldwin, he decries complaints from the sales team about leads. Today, AI can play an active role in scoring leads by finding common traits between deals that closed.

You can make the argument that yesterday’s sales professionals who were most successful had instincts that helped them pick the best leads and intuitively know when to call and what to say. But technology augments those instincts, and now what is most important is that salespeople are able to leverage all of the technology at their disposal to strategize the highest possible outcomes.

“Sales organizations are changing rapidly as the result of AI,” Shmilovici says. “They are hiring a different kind of salesperson, adding roles for sales scientists in their operations, and integrating with other aspects of the business more closely. All of these changes are improving results, which is what sales are all about.”

Is it sad to see The Closer lose the top spot in sales? Yes, in a way. But technology is creating a new and fascinating future for business. Young professionals do not have to recycle the same narratives that business leaders from decades ago have already acted out. We are in the early days of a radically new economy and it is exciting to see how it takes shape.

Source: Andrew Medal

Using Artificial Intelligence in Sales Saves Time and Reveals New Opportunities

Management consultant, educator and author Peter Drucker once declared that increasing the productivity of knowledge workers was „the most important contribution management needs to make in the 21st century.“

AI is changing that. More than 75 percent of companies are firing up AI to accelerate business development, automate busy work and deliver a better customer experience.

AI algorithms are powering massive amounts of calculations and decisions because they can find patterns in data, unseen to the naked eye. They’re evolving technology in powerful ways that are enhancing our knowledge work:

1. Automating the work humans don’t want to do

The most liberating support comes from AI doing the jobs we find monotonous. AI platforms can do repetitive tasks, like learn how to automatically update contact data in your customer relationship manager (CRM) or generate weekly status reports for your leads.

In the business development world, AI and machine learning tools sort through leads and pull a wide range of data together about your prospect list. The tedious work of organizing contact information or researching prospect demographics can be handed to bots and allow your sales team to focus on selling.

2. Automating the work we can’t do

How many hours per week do you need to focus on selling to meet your quotas and keep the business growing?

You probably don’t have hundreds of hours left over for data science. But, that’s what it takes to review large data sets to find trends in your industry, uncover business opportunities and stay ahead of the competition. Whether you want to know which companies are actively searching for your solution or how qualified they are, the data is available — but it’s complex and spread out across multiple websites and databases.

AI bots and services can look at how many pieces of content are being shared around a topic, determine traffic volume, number of companies searching for your product/service and their lead score.

AI can also deliver complex data sets to be reviewed on one platform, instead of having your team sort through thousands of lists or records. It can review and mark this data, then provide a report of actionable insights.

3. Improving lead quality and shortening sales cycles

A full pipeline isn’t useful if the leads aren’t relevant or qualified. Today, many companies use a variety of people and tools to do basic data entry before these leads are delivered to a salesperson. Even then, they’re only guessing which leads will be interested.

Sales teams that use predictive analytics spend less time prospecting and more time selling, which motivates them and makes them more successful in their role. This reduces sales department churn.

AI is the new go-to partner for this relationship. Algorithms can now score leads based on key performance indicators (KPIs) and historical success patterns. The closer a new lead matches your existing best-value customers, the higher AI can score it.

Delivering a flow of the best leads who are ready to buy can significantly reduce your sales cycle times. It gives you more revenue opportunities because your team isn’t overwhelmed with prospecting or follow up — they’re focused on selling to qualified opportunities.

Focusing on the people already looking for your solution provides a more enjoyable process for both you and your future customer.

4. Predicting cross-sell and up-sell opportunities

AI provides a connection that we weren’t expecting initially but are pleased to see: people who want the advanced services our sales team can offer.

p-sells and cross-sells are often missed because sales teams lack a definitive process for whom to up-sell and when. It’s the easiest and most neglected part of the sales process.

AI makes your sales process more predictable by finding the customer personas who are most likely to say yes. That ensures sales teams are focused on customers with the largest revenue opportunity and the highest likelihood of converting.

Advanced analytics can help create these personas, and the AI underneath it can continuously update those personas based on how successful its past model was. Buyers enjoy the help. Businesses enjoy the increase in revenue. And sales teams enjoy hitting those stretch goals and maximizing their bonuses.

5. Forecasting sales projections for specific customer personas and offers

International Data Corporation (IDC) notes that real-time personalization of ads will arrive by 2020. The goal for these platforms is improving the accuracy of targeting, increasing the precision of its messaging and ensuring the context is appropriate for the customer and their pain points.

Smart AI will power these platforms and we can start to see it bridging the gap between inbound marketing and outbound sales development — aligning sales and marketing once and for all.

When we look at the possibility: It’s targeting your best customer personas with the best messaging to analyze buying stages, marketing channels and optimize them all. In essence, we’re learning the personas that respond best to each offer and when up-sells correlate with an increase in churn.

It’s possible for AI to scan an entire integrated database, from CRM and customer orders to conversation intelligence and lead scoring tools. Machine learning can build out customer personas that include risk prediction and sales potentials, segmenting groups into a variety of characteristics.

It’s a nuanced understanding of the customer journey that takes a few extra things into account:

  • Customer lifetime value
  • Risks relative to sales thresholds
  • Intervention points for sales and support
  • Projections by category and product type within customer groups as well as individual customers

This greater understanding can be used to guide a variety of business decisions. Initially, companies can use it to manage pricing and sales strategies. Later, there’s a clear understanding of messaging success rates by persona and product needs — even the potential for a tailored customer journey with offers designed to maximize revenue, while minimizing churn.

6. Making human work more meaningful and valuable

AI in business development boils down to this: It gives us the freedom to focus on our unique abilities. We’re not bogged down with repetitive busy work or boring data entry. We can focus on the meaningful work — the elements that lead to a successful sale and customer experience.

AI runs in the background and gives us the ability to increase the productivity of knowledge work.

„Every few hundred years throughout Western history, a sharp transformation has occurred,“ Drucker observed in a 1992 essay for Harvard Business Review.

In a matter of decades, technology altogether has evolved at light speed — its purpose, applications and capabilities. Years later, AI is changing our work in meaningful ways. And the people entering this brave new world can’t imagine work without this valuable tool. AI is transforming technology, saving us time and uncovering new sales opportunities — and surely exceeding the expectations of Peter Drucker.

Source: 

Integrating robotics into society? Watch Boston Dynamics humanoid robot Atlas show off its amazing parkour skills.

I understand the scepticism of integrating robotics into society but we should be embracing it. It will happen and it will happen in our lifetime.

This is just the next leap forward in engineering and science.

Watch Boston Dynamics humanoid robot Atlas show off its parkour skills

 

Das intelligenteste Haus der Welt: HUF HAUS und IBM stellen das erste selbstlernende Haus vor

Hartenfels, Ehningen, 23. Mai 2018

Das Familienunternehmen HUF HAUS und der Technologiekonzern IBM haben heute das weltweit erste Haus mit selbstlernenden Fähigkeiten präsentiert und den in gläserner Fachwerkarchitektur errichteten Bungalow im Musterhauspark von HUF HAUS in Hartenfels eröffnet. Das intelligente HUF Haus „Ausblick“ versteht und lernt seine Bewohner über ihre Interaktionen kennen. Sie werden mit Hilfe der IBM Watson IoT-Plattform analysiert und als Verhaltensmuster erkannt und gespeichert.

Die Zusammenarbeit zwischen dem europäischen Marktführer für moderne Fachwerkarchitektur HUF HAUS und IBM gipfelte heute in der Präsentation des neuen Musterhauses „Ausblick“, das inmitten des Ausstellungszentrums HUF Dorf in Hartenfels offiziell eröffnet wurde. Der filigrane Bungalow aus Holz und Glas wurde in Kooperation mit IBM als selbstlernendes Haus konzipiert. Dank der IBM Watson IoT-Plattform, die mit künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattet ist, erlernt das Haus die Verhaltensweisen seiner Bewohner, um das tägliche Leben so angenehm, entspannt und sicher wie möglich zu gestalten.

 

Das innovative Familienunternehmen HUF HAUS aus dem Westerwald sorgt mit gleich zwei bahnbrechenden Meilensteinen für Aufsehen: Nicht nur die besonderen Fähigkeiten des Hauses sind eine Weltneuheit, auch die Konstruktion des Glashauses ist revolutionär und patentgeschützt. Ein von HUF HAUS eigens entwickelter Konnektor ist branchenweit erstmalig in der Lage, Glaselemente rein mechanisch, also ohne den Einsatz von chemischen Klebstoffen, statisch aussteifend in die Fachwerkkonstruktion zu integrieren.

Der unsichtbare Mitbewohner

Das gläserne Fachwerkhaus steht für Besucher des Ausstellungszentrums im Westerwald als Musterhaus zur Besichtigung bereit und wird daneben als Bürogebäude genutzt. Die Bewohner, in diesem Fall sind die Mitarbeiter aus dem Marketing- und Vertriebsteam von HUF HAUS, testen im Livebetrieb die selbstlernenden Fähigkeiten des Hauses. Dank vernetzter Sensoren werden Tausende von Daten in der IBM Cloud gesammelt, von der IBM Watson IoT-Plattform analysiert und in Erkenntnisse über die Verhaltensmuster der Bewohner umgesetzt. Dieser dynamische Ansatz steht im Gegensatz zu auf dem Markt verfügbaren Smart-Home-Programmierungen, die reine Befehlsketten ausführen und ein statisches Regelwerk abbilden.

HUF HAUS nutzt Watson Assistant, den digitalen Assistenten von IBM, um seinen Kunden KI-Assistenten-Lösungen anbieten zu können. Dieser ganzheitliche Service gewährleistet direkte und personalisierte Unterstützung, ganz gleich wo und wann der Kunde diese benötigt. Mit Watson Assistant interagieren Haus und Mensch auf natürliche Weise miteinander.

In Korrelation mit den Wetterdaten und der Aussentemperatur wird das HUF Haus ausserdem in Zukunft auch die Verbrauchswerte für Heizung und Strom einschätzen und selbstständig Optimierungen durchführen. Durch Sprachbefehle und dem Erkennen von Verhaltensmustern weiss das HUF Haus, wie es den Komfort der Bewohner optimieren und sich ändernden Lebens- oder Arbeitssituationen anpassen muss. Dabei liegt die Kontrolle stets bei den Bewohnern, die Befehle jederzeit überschreiben oder zurücksetzen können, beispielsweise über ein Touchdisplay oder auch per Sprachbefehl.

Für das selbstlernende HUF Haus bedeutet das konkret: Das Haus erkennt über eine spezielle Gesichtserkennungs-Software die jeweiligen Bewohner, hier also die Mitarbeiter, öffnet ihnen anschliessend die Eingangstür und spielt typische Aktivitäten kontextbezogen ab. So wird beispielsweise das Licht im jeweiligen Büro eingeschaltet, der PC kann automatisch hochfahren und die erlernte Komforttemperatur pro Raum stellt sich ein. Sobald das Haus registriert, dass sich Vorlieben ändern, beispielsweise in Sachen Temperatur oder Helligkeit am Schreibtisch, werden die Einstellungen dank IBM Watson basierter Algorithmen angepasst.

Intelligent und sicher in die Zukunft

Das vernetzte Zuhause sowie die intuitive Steuerung von Licht, Jalousien oder individuellen Szenarien sind für das Traditionsunternehmen mit seiner über 105-jährigen Erfahrung längst selbstverständlich. Diese Funktionen werden auf KNX-Basis programmiert und gehören bei 90 Prozent aller HUF Häuser zur technischen Ausstattung. Darauf aufbauend basiert auch das selbstlernende Haus auf dem weltweit anerkannten KNX-Standard für die intelligente Vernetzung der Elektroinstallation in einem Gebäude mit einem Bussystem – ergänzt durch IBM Watson.

Die smarte Steuerung der Funktionen im Haus und auch den Fernzugriff durch die Bewohner von unterwegs sichert das Bussystem von Gira, einem weiteren Pionier der intelligenten Gebäudetechnik. Das Familienunternehmen aus Radevormwald bei Wuppertal startete bereits vor 20 Jahren mit seinem Produkt Home Server und ist seither eine der führenden Marken für die Gebäudeautomation und Smart Home. Im lernenden Haus von HUF HAUS kam der Server X1 und der S1 für den sicheren Fernzugang sowie die gesamte Elektroinstallation von Gira zum Einsatz. Die Erweiterung des X1 zur Anbindung an die IBM Watson IoT-Plattform hat die Firma ise Individuelle Software und Elektronik GmbH realisiert, die ein Gira Tochterunternehmen ist.

Die Zukunft gehört nach Meinung von Georg Huf, geschäftsführender Gesellschafter von HUF HAUS, den selbstlernenden Häusern: „Mit IBM und Gira haben wir einen renommierten Partner gefunden, der uns auf der Reise in das neue Zeitalter des Wohnens begleitet. Smart Homes sind bereits allgegenwärtig und für unsere Kunden selbstverständlich, das Internet der Dinge ist unaufhaltsam. Mit unserem selbstlernenden Musterhaus ‚Ausblick‘ setzen wir einen neuen Megatrend in der gesamten Baubranche.“

Dabei gehen alle Partner in Sachen Datenschutz auf Nummer sicher: Die Daten werden in der Cloud-basierten IoT-Plattform von IBM gesammelt, analysiert und sicher gespeichert. Das IBM Rechenzentrum in Frankfurt am Main garantiert mit dem IBM EU Cloud-Modell höchste Datensicherheit und Transparenz. Durch strengste Sicherheitsrichtlinien wird die Weitergabe von personenbezogenen Daten verhindert und die Daten bleiben stets das Eigentum der Hausbesitzer. Die verwendeten Watson Services nutzen ausschliesslich anonymisierten Daten, um Algorithmen zu trainieren. Das hebt das Haus in Bezug auf Datenschutz deutlich von marktüblichen Sprachassistenten ab.

„HUF HAUS zeigt beispielhaft, wie unsere Kunden mit der Cloud ihre eigene Innovationskraft stärken und dank KI-basierter IBM Watson Technologien für bahnbrechende Entwicklungen sorgen“, sagt Andrea Hennemann, Leader Watson & Cloud Platform Deutschland, Österreich und Schweiz. „Eine aktuelle Studie vom IBM Institute for Business Value (IBV) gezeigt, dass Disruption immer häufiger bei etablierten Unternehmen stattfindet und weniger bei Start-Ups – und hierfür nutzen sie mehrheitlich Plattformen, die ihnen sicher und schnell IT-Technologien für KI, Blockchain oder IoT bereitstellen.“

Die künstliche Intelligenz wird unser Gott sein

Die künstliche Intelligenz  (KI) verspricht grosse Fortschritte in der Medizin und in der Forschung. Aber sie weckt auch Ängste vor Jobverlust und totaler Überwachung. Sind wir auf dem Weg ins Paradies oder in die Hölle? Antworten gibt der Ethik-Professor und KI-Experte Thomas Metzinger.

Es gibt verschiedenste Risiken, und für diese Risiken gibt es sehr unterschiedliche Vorhersagehorizonte. Superintelligenz beispielsweise ist gleichzeitig ein Versprechen und eine Bedrohung, aber es ist auch noch Science Fiction, weil es noch in weiter Ferne liegt.

Bleiben wir zunächst in der Gegenwart und der nahen Zukunft. Was können wir da von KI erwarten?
Da gibt es sicher die berechtigte Angst, dass KI im grossen Stil Arbeitsplätze vernichten wird.

Es gibt Studien, die besagen, dass bis 2030 rund die Hälfte aller amerikanischen Arbeitsplätze gefährdet sind.

Doch man muss auch verstehen, dass KI keine einheitliche Technologie ist, sondern eine Meta-Technologie, eine Technologie also, die andere Technologien intelligenter macht.

„Alle sprechen von Digitalisierung, aber niemand weiss, was damit gemeint ist“

Woran denken Sie konkret?
An das Gesundheitswesen, an den Transport, an die Wissenschaft. Wo uns KI am meisten nützen wird, können wir heute noch nicht abschätzen. Sicher ist, dass KI eine Industrie geworden ist, mit der sehr viel Geld verdient wird.

Sie sind Philosoph. Wie sind Sie auf die KI gekommen?
Ich arbeite seit 35 Jahren mit Neuro- und Kognitionswissenschaftlern zusammen. Jetzt haben wir plötzlich diesen Hype, alle sind ganz aufgeregt. Alle sprechen nun von KI und «Digitalisierung» – was immer das eigentlich genau bedeuten soll. In Deutschland wurde einiges verschlafen, und jetzt soll alles über Nacht nachgeholt werden. Aber wie? Heisst das, dass überall Glaskabel hinmüssen? Das schaffen wir nicht, das ist wie mit dem Berliner Flughafen. Oder brauchen wir autonome Waffensysteme für das Militär? Viel eher geht es darum, ein KI-Wettrüsten zwischen Trumpistan und China vielleicht doch noch irgendwie zu verhindern. Oder müssen wir dafür sorgen, dass unsere eigene Industrie noch möglichst viel verkaufen kann?

Kurz: Alle sprechen von Digitalisierung, aber niemand weiss, was damit gemeint ist.

Für den Durchschnittsbürger heisst es beispielsweise: Er kann sich jetzt mit seinem Smartphone unterhalten. Oder er kann mit seinem digitalen Assistenten wie Alexa oder Siri online einkaufen und Restauranttische oder Kinokarten reservieren.
Das Schöne am Beruf des Hochschullehrers ist, dass man sieht, wie junge Generationen heranwachsen.

Was heute auffällt, ist die Tatsache, dass viele Studenten nicht mehr so gut lesen und schreiben können.

An den Universitäten bekommen wir heute junge Menschen, die ein Abitur in der Tasche haben, die aber eigentlich die «Hochschulreife» nicht besitzen, weil sie keinen korrekten deutschen Satz mehr formulieren können, weil sie die ganze Zeit nur per SMS oder WhatsApp getextet haben.

Ist das nicht eine bekannte Klage nicht mehr ganz junger Professoren über die Jugend?
Nein, nur zum Teil. Auch ich finde es phantastisch, wie viele Sprachfehler beispielsweise Google zulässt und trotzdem die richtige Antwort findet. Doch wir verlieren auch elementare Fähigkeiten wie beispielsweise das Lesen von Karten – oder dicken philosophischen Büchern ohne bunte Bilder und Videos. Das Neue ist gut, aber wir müssen die alten Kulturtechniken bewahren und pflegen.

Teilen Sie die These, wonach die neuen Medien auch physiologisch das Gehirn der Menschen verändert?
Dass, wer sich nur noch am Smartphone oder am Bildschirm informiert, gar nicht mehr in der Lage ist, eine Zeitung oder ein Buch zu verstehen?
Die Wochenzeitung «Zeit» zum Beispiel war einst ein Blatt der Professoren und der Intellektuellen, in dem wichtige Debatten geführt wurden. Mittlerweile ist sie zu einer Kirchenzeitung verkommen, in der es hauptsächlich um kultivierte Selbstgefälligkeit und gehobenes virtue signalling geht. Ich habe mir abgewöhnt, meine Studenten zu fragen: Habt Ihr letzten Donnerstag in der «Zeit» das und das gelesen? Da werde ich angestarrt, als wäre ich ein Auto. In der «Zeit» schreiben alte, eitle Professoren, Kirchenvertreter, und Leute, die sich gerne «Intellektuelle» nennen – überwiegend für sich selbst. Von den Jungen, selbst von den bestens informierten Doktoranden, hat anscheinend niemand mehr das Gefühl, das sei für sie relevant. Liegt das jetzt an der «Zeit» oder am Internet?

Beunruhigt Sie das? 
Ja. Die jungen Leute werden mit grossen Krisen konfrontiert werden: mit Schuldenkrise, Klimawandel, globaler Migration, usw. Ich glaube nicht, dass sie dafür gerüstet sind.

Warum nicht?
Sie haben vielleicht gelernt, dass sie mit den Smartphone jederzeit in eine virtuelle Welt flüchten können, wenn sie in der realen auf etwas Unangenehmes treffen. Wenn es im Tram langweilig ist oder ein hässlicher Penner gegenübersitzt, dann können sie ein Game anklicken – und schon sieht die Welt wieder rosig aus. Wir alle können viel leichter dissoziieren.

Eine Gesellschaft, die vom KI-System optimiert wird, würde  unser liberales Verständnis der individuellen Freiheit auf den Kopf stellen.

Glücklichsein wird zur Pflicht. Inzwischen gibt es sogar einen Happimeter, eine Smartwatch, die permanent misst, ob wir glücklich sind oder nicht.
In China gibt es eine verschärfte Variante davon, die «social credit points». Damit wird ihr soziales Verhalten mit Hilfe von KI permanent überwacht. In diesem System wird politischer Widerstand zunehmend unmöglich.

Andererseits könnte man ja das System so programmieren, dass die Menschen gezwungen werden, sich tolerant und altruistisch zu verhalten.
Im Prinzip kann man sich eine Gesellschaft vorstellen, die von einem KI-System optimiert wird. Und es ist ja auch wichtig, dass wir die Demokratie nicht einfach nur schützen, sondern dass wir sie weiterentwickeln und an veränderte Umstände anpassen. Als oberster Wert könnte man eingeben: Leiden vermindern, sei es bei Menschen oder Tieren. Ein solches System würde vielleicht zu überraschenden Ergebnissen kommen. Es würde aber auch unser liberales Verständnis der individuellen Freiheit auf den Kopf stellen.

Sie dürfen keine Kinder haben, sondern müssen sie aus Bangladesch adoptieren

Wir dürften auch nicht mehr unglücklich sein. 
Warum muss ich auf Teufel komm raus nach Freiheit und Glück streben? Auf der Suche nach dem Glück greifen Expertensysteme immer häufiger in unser Leben ein, beispielsweise in der Partnerwahl. KI hilft uns, den idealen Partner zu finden. Aber was mache ich, wenn ich mich unsterblich in eine Frau verliebe, mir die KI jedoch sagt, dass bei dieser Partnerin das Scheidungsrisiko bei 68 Prozent liegt? Sage ich dann als Mensch noch: Das ist mir ganz egal?

Wird das Leben nicht ein bisschen langweilig, wenn wir keine Risiken mehr eingehen?
Die Gehirnforschung lehrt uns, dass alles, was wir machen, im Grunde genommen Risikominimierung ist. Menschen mögen keine Unsicherheit. Am Leben bleiben heisst, sich in nicht überraschende Zustände zu begeben. Für die Gruppe mag es allerdings gut sein, wenn es ein paar junge Männer mit hohem Testosteronspiegel gibt, die verrückte Dinge tun und das Risiko suchen, die sich beispielsweise im Krieg opfern.

Wird eine extreme Risikoverminderung dank KI nicht irgendwann kontraproduktiv?
Ich sage seit 25 Jahren: Das Internet wird uns immer weiter verändern, mehr noch, als wir uns das heute vorstellen können. Die Entwicklung geht ja immer weiter, sie endet nicht bei der Smartphone-Sucht. Irgendwann betrachten wir auch das Smartphone so, wie wir heute einen Schwarz-Weiss-Fernseher betrachten. Ich habe viel mit virtueller Realität zu tun. In fünf bis zehn Jahren werden diese virtuellen Realitäten gut und hoch auflösend sein, wie werden uns in Avatare einbetten. Telefonieren oder Skypen wird man dann vielleicht gar nicht mehr wollen.

Kann man – überspitzt formuliert sagen –, die KI macht die Menschen dumm?
Das wäre etwas billig. Wir sind ja jetzt schon dumm, und was kann die arme KI dafür? Schon Plato hat sich vor 2000 Jahren strikt gegen die Einführung der Schrift gewehrt. Er argumentierte, das sei ganz gefährlich, weil dadurch der Mensch seine Gedächtnisfähigkeit verlieren werde. Das würden wir heute nicht mehr so sehen. Aber wenn wir heute alle unsere Erinnerungen auslagern und keine Bücher mehr haben, dann könnte das zu einem Problem werden. Wir könnten ja auch einmal offline sein.

Jammertal, das vom Menschen erlitten werden muss, um dann im Jenseits erlöst zu werden. Die KI will das ändern und die Erde in ein Schlaraffenland verwandeln. Geht das?
Die KI will gar nichts, sie ist keine Person. Es gibt aber bereits eine KI-Kirche. Sie befindet sich selbstverständlich in Kalifornien. Gegründet wurde sie von einem Ex-Apple-Vorstandsmitglied. Die Idee der Kirche lautet: Es gibt keinen Gott. Wir stehen fest im wissenschaftlichen Weltbild. Aber es wird ein Gott entstehen. Die KI wird unser Gott sein. Will heissen: Wir Menschen werden selbst ein altruistisches, allwissendes Wesen schaffen, das uns in allen Dinge beraten wird. Die richtige Beziehung, die wir zur Superintelligenz der Zukunft aufbauen werden, ist eine religiöse. Marketing und Religion vermischen sich in dieser Vorstellung. In der Techno-Szene gibt es unter anderem diesen spezifisch amerikanisch-calvinistischen Wahn, wonach Reichtum ein Zeichen der Auserwähltheit von Gott ist.

Wie können wir sicherstellen, dass ein superintelligentes Wesen immer nur unsere Ziele verfolgt?
Es gibt ja auch Ray Kurzweil, der davon träumt, dass sich KI und biologische Intelligenz verschmelzen und der Mensch dadurch unsterblich wird. Das ist natürlich Unsinn, aber solche Fantasien verleihen der Szene sehr viel Dynamik. Kurzweil & Co. verkaufen im Grunde genommen ein Produkt, das früher die Kirchen verkauft haben. Ich nenne das Sterblichkeitsverleugnung, und das bieten sie sehr erfolgreich zusammen mit dem technischen Produkt an.

Sprechen wir über die Superintelligenz. Ihr Philosophen-Kollege Nick Bostrom warnt davor, dass eine solche Superintelligenz zur Ausrottung der Menschheit führen könnte. Wie sehen Sie das?
IBM hat ein Expertensystem namens Watson entwickelt. Wir könnten ein solches System für folgendes Experiment benutzen: Sie müssen auf einer Webseite 80-100 Fragen beantworten. Darin formulieren wir unsere Wünsche für einen Zeitraum, sagen wir die nächsten 5, 10, 50, 100 Jahre. Wir sagen auch, ob wir eher Kantianer oder Utilitaristen sein wollen, wie wir Tiere behandeln möchten, wessen Rechte berücksichtigt werden müssen, ob wir grundsätzlich eine Demokratie wollen, etc. Das Expertensystem könnte dann diese Vorgaben mit einer riesigen Datenbasis aus allen möglichen Wissenschaften und Statistiken abgleichen. Dann würde es sagen: Okay, wenn Sie das wollen, dann müssen Sie ab morgen so und so leben. Das könnte beispielsweise heissen: Sie müssen alles Geld, das über dem komfortablen Existenzminimum liegt, verschenken.

Oder: Sie dürfen keine Kinder haben, sondern müssen sie aus Bangladesch adoptieren. Oder: Sie müssen sofort Veganer werden und ihr Auto verschrotten. Mit anderen Worten, dieser Ethik-Assistent würde ihnen fundiert sagen: Wenn du das willst, musst du so leben. Ich glaube, wir würden uns alle sehr wundern, was da herauskäme.

Es gibt nur noch 19 wirklich stabile Demokratien auf der Welt, es kann sein, dass wir den historischen Übergang noch nicht ganz begriffen haben.

Bostrom meint mit Superintelligenz etwas anderes. Er warnt davor, dass ein superintelligenter Roboter wie die Zauberlehrlinge im Märchen die Welt vernichten könnten, weil sie den Auftrag erhalten haben, Büroklammern herzustellen – und dann alles diesem Ziel unterordnen würden, auch das Überleben der Menschheit.
Wie können wir sicherstellen, dass ein superintelligentes Wesen immer nur unsere Ziele verfolgt? Diese Frage stellt Bostrom – und natürlich könnte eine Superintelligenz ihre Ethik-Firmware leicht selbst knacken. Büroklammern sind an sich harmlos. Aber es könnte eine Katastrophe passieren, wenn ein System alle Ressourcen dafür einsetzt. Es könnte auch zu einer Katastrophe führen, wenn die Chinesen mit ihren sozialen Kreditpunkten eine wirklich tolle Gesellschaft bauen wollen.

China will jedoch erklärtermassen die führende KI-Nation der Welt werden. Ist das eine Gefahr? 
Immer wenn ich mich wieder über die amerikanische Aussenpolitik aufrege, sagt meine Frau: Willst du lieber, dass die Chinesen die Welt dominieren? Was denken Sie?

Was ist mit den Russen?
Die sind wirtschaftlich zu schwach. Weder die Chinesen noch die Russen teilen unsere Ansichten über die Menschenrechte. Aber die Amerikaner tun es auch nicht – oder nicht mehr. Dabei waren es die Amerikaner, die uns Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg die Demokratie gebracht, ja geradezu aufgezwungen haben. Jetzt liegen die Amerikaner selbst am Boden, und ich glaube nicht, dass sie so schnell wieder zurückkommen werden. Es gibt nur noch 19 wirklich stabile Demokratien auf der Welt, es kann sein, dass wir den historischen Übergang noch nicht ganz begriffen haben.

KI macht die Kriegseintrittsschwelle niedrig.

Es zeichnet sich ein KI-Wettrüsten zwischen den USA und China ab. Wie gefährlich ist das?
Wir geben unsere Autonomie in kleinen Schritten an digitale Assistenten ab. Das ist beim Autofahren so, das ist aber auch bei den Militärs so. Jeder dieser kleinen Schritte ist vernünftig. Bei militärischen Anwendungen führt dies allmählich dazu, dass die Reaktionszeiten so klein werden, dass es zu gefährlich wird, überhaupt noch Menschen einzuschalten. Es ist wie bei den automatisierten Börsensystemen, die in Sekundenbruchteilen ohne menschliche Einwirkung Entscheidungen fällen. 2010 hat es an der amerikanischen Börse deswegen den Flash Crash gegeben. Wenn man sich einen militärischen Flash Crash vorstellt, dann wird es wirklich unheimlich. Der liesse sich vielleicht nicht mehr rückgängig Machen.

Warum stoppt man diese KI-Systeme nicht im allgemeinen Interesse der Menschheit?
Wir sind ja noch nicht einmal in der Lage, Plastiktüten zu verbieten. Stellen Sie sich vor, die Top-Experten in China sagen ihrer Regierung: Wir haben das Wettrennen gewonnen und jetzt eine sehr erfolgreiche Erstschlag-Kapazität gegen die USA entwickelt. Sie wird etwa 18 Monate halten. In diesem Zeitfenster können sich die Amerikaner nicht effektiv wehren. Überlegt Euch, was Ihr macht. Vielleicht wird die chinesische Regierung sich diese Chance nicht entgehen lassen – KI macht die Kriegseintrittsschwelle niedrig.

Dass KI uns Menschen vor mühsamer Arbeit befreit, ist positiv, wenn wir intelligent damit umgehen.

Es gibt auch die These, wonach die autonomen Waffensysteme den Krieg humanisieren würden, so paradox dies auch klingen mag.
Man könnte mit moderner Technik sogenannte intelligente «chirurgische» Schläge führen, welche die Zahl der zivilen Opfer minimiert. Mir fällt diese Vorstellung sehr schwer, denn ich komme aus der Friedensbewegung der Siebzigerjahre. Ich habe jedoch gelernt, dass Pazifismus auch unethisch sein kann. In gewissen Fällen muss man ganz einfach rational und evidenz-basiert reagieren, um Leid optimal zu minimieren – sonst drückt man sich.

Was schlussfolgern Sie daraus?
Eine Demokratie könnte sich mit intelligenten KI-Waffen gegen autoritäre Systeme verteidigen. Man könnte diese Technologie auch zum Schutze der Menschenrechte verwenden. Nur ist die Realität eine andere. Deutschland ist der fünftgrösste Waffenexporteur der Welt. Über Umwege und durch Lizenzierungstricks gelangen diese Waffen gewollt oder ungewollt auch zu diktatorischen Regimes. Und es ist nicht sehr realistisch zu glauben, dass dies bei KI-Waffen anders wäre.

Wir Deutschen lieben Frau Merkel unendlich dafür, dass sie immer so schön tut, als «wäre gar nichts» – ich fürchte jedoch, wir werden uns jetzt doch einmal bewegen müssen im alten Europa.

Was heisst das nun: Stehen wir am Anfang einer superintelligenten Welt – oder am Ende der Menschheit?
Superintelligenz und diese Sachen –, das werden wir alle nicht mehr erleben. Die kommen, wenn überhaupt, erst am Ende dieses Jahrhunderts. In der Gegenwart haben wir ganz andere Probleme.

Nämlich?
Wenn KI zu Produktivitätsgewinnen in der Wirtschaft führt, dann müssen sie gerecht verteilt werden, auch an diejenigen, die über keine KI verfügen, also auch an Menschen im Sudan oder in Ägypten. Gelingt dies nicht, dann wird die bereits bestehende grosse Ungleichheit noch extremer werden. Mit anderen Worten: Die Reichen werden noch reicher –, und die Armen arbeitslos. Ich denke auch, dass – vielleicht so etwa 2040 – irgendwann die allgemeine Bevölkerung verstehen wird, dass das mit dem Klimawandel eben doch alles wahr war und auch, dass es jetzt zu spät ist. Das könnte zu starker Unruhe auf dem Planeten führen.

Schlittern wir also in eine dystopische Welt?
Alarmismus ist fehl am Platz. KI wird uns viele Dinge bescheren, die sehr, sehr gut sind, sei es in der Medizin oder in der wissenschaftlichen Forschung. Auch dass KI uns Menschen vor mühsamer Arbeit befreit, ist positiv, wenn wir intelligent damit umgehen.

Was ist mit der weit verbreiteten Angst vor dem Big Brother?
Der Skandal um Cambridge Analytica hat uns gelehrt: Wir sollten ein eigenes europäisches Facebook haben. Wir müssen den Prozess der politischen Willensbildung aktiv schützen. Wir sollten ein eigenes europäisches Betriebssystem haben, eine Art Euro-Linux. Und viele freie, von Steuergeldern finanzierte Anwendungen. Wir haben doch jetzt mit dem Trump-Phänomen erlebt, wie schnell sich die politische Situation ändern kann. Wir stehen völlig nackt vor den amerikanischen Geheimdiensten da, wahrscheinlich könnten die im Ernstfall die Schweiz oder Deutschland einfach abschalten. Wir Deutschen lieben Frau Merkel unendlich dafür, dass sie immer so schön tut, als «wäre gar nichts» – ich fürchte jedoch, wir werden uns jetzt doch einmal bewegen müssen im alten Europa. Wir müssen unsere sozialen Standards in einer unsicheren globalen Situation aktiv schützen, wir brauchen exzellente angewandte Ethik und wirklich gute Technikfolgenabschätzung.

Wir müssen dafür sorgen, dass die Meta-Technologie KI den Menschen nützt, die Lebensqualität tatsächlich erhöht –  und die geistige Freiheit und unsere Sozialsysteme schützt.

Source: Philipp Löpfe

 

Wir sind zu dumm für künstliche Intelligenz

Zwei Milliardäre werden giftig: Es geht um die Frage, ob künstliche Intelligenz die Menschheit bedroht. Der Streit zwischen Mark Zuckerberg und Elon Musk ist sehr unterhaltsam – geht aber am Thema vorbei.

Elon Musk gehört zu den Menschen, für die Science-Fiction-Bücher keine Unterhaltungsliteratur sind, sondern konkrete Beschreibungen optionaler Zukünfte. Er selbst und seinesgleichen haben nach dieser Lesart die Aufgabe, aus den diversen Optionen die passenden auszuwählen und Realität werden zu lassen, möglichst zügig. Deshalb bauen Musks Firmen die ersten Elektroautos, die als Statussymbole durchgehen und Raketen, mit denen er den Mars besiedeln will. Und deshalb warnt er unablässig und stetig lauter werdend vor den Gefahren, die rapide Verbesserungen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) der Menschheit bringen werden, glaubt man Musk.

Mark Zuckerberg liest auch ganz gern mal ein Science-Fiction-Buch. Er hat sogar einen Favoriten mit Musk gemeinsam: „A Player of Games“ von Iain M. Banks. Der Roman ist ein interessanter Berührungspunkt zwischen den beiden. Er entstammt der sogenannten Culture-Reihe, in der Banks eine interplanetare Utopie ausmalt. Eine Welt, in der Menschen so lange leben, wie sie wollen, sich Kunstgenüssen, dem Streben nach Erleuchtung oder aber Drogen- und Sexexzessen hingeben können. In wunderschönen, künstlich geschaffenen Landschaften existieren sie frei und unbeschwert, dürfen aber, wenn sie unbedingt wollen, auch intergalaktische Abenteuer und Begegnungen mit fremden Spezies erleben, sich als Fortschrittskolonialisten betätigen.

„All unserer Dummheit entledigt“

Möglich wird diese Existenz dank mächtiger, wohlwollender, superintelligenter KIs, die all die fantastischen Menschenspielplätze bauen und betreuen, beseelt von einem nie so recht erklärten Beschützerinstinkt für die schwachen, fehlbaren Menschlein. Banks, der auch sehr düstere Bücher über die reale Welt geschrieben hat, benutzte künstliche Intelligenz, um die kleinmütigen, aggressiven und selbstsüchtigen Menschen von heute ins Paradies zu hieven, an „den Ort, den zu erreichen wir hoffen könnten, nachdem wir uns all unserer Dummheit entledigt haben“, wie er drei Jahre vor seinem Tod erklärte.

Zuckerberg hat diese Vision augenscheinlich überzeugt, Musk weniger. Der Tesla-Gründer warnt beständig vor den Gefahren superintelligenter Maschinen, gern mit drastischen Bildern. Erst vor zwei Wochen erklärte er bei einer Tagung der Gouverneure aller US-Staaten: „Ich läute immerzu die Alarmglocke, aber bevor die Leute nicht Roboter sehen, die auf den Strassen Leute umbringen, wissen sie nicht, wie sie reagieren sollen, weil das so wenig greifbar scheint.“

Zuckerberg findet das „negativ“ und „verantwortungslos“

Als Mark Zuckerberg vor einer Woche bei einem Live-Gespräch mit Facebook-Nutzern auf Musks Warnungen angesprochen wurde, reagierte er unwirsch. Er sei „optimistisch“, was das Thema KI angehe, und könne „Leute, die diese Weltuntergangszenarien beschwören“, einfach nicht verstehen. Die seien so „negativ“, ja nachgerade „verantwortungslos“.

Als Musk dann via Twitter verlauten liess, er habe „mit Mark über das Thema gesprochen“ und dabei festgestellt, dass der über ein „sehr eingeschränktes Verständnis“ der Materie verfüge, packten sowohl Science-Fiction-Fans als auch Freunde öffentlicher Milliardärsstreitereien das Popcorn aus.

Nun hat Zuckerberg in dieser Frage handfeste Interessen – seine eigene KI-Abteilung ist mit internationalen Spitzenkräften bestückt und bemüht sich angestrengt, den Vorsprung von Googles KI-Laboren einzuholen. Musk aber fordert Regulierung für die Entwicklung von KI-Systemen und zwar „proaktiv, nicht reaktiv“. Eine Position, die im Silicon Valley sehr unüblich ist und die Ambitionen von Facebook, Google und Co. natürlich behindern könnte.

Eine KI, die uns betrachtet, wie wir Ameisen betrachten

Tatsächlich aber gehen sowohl Musks „Roboter, die Menschen töten“-Visionen als auch Zuckerbergs uneingeschränkter Optimismus am aktuellen Kern des Themas vorbei. Das Szenario, das Warner wie Musk, Stephen Hawking oder der Neurowissenschaftler und Philosoph Sam Harris beschwören, ist dieses: Sobald wir eine KI erschaffen, die tatsächlich klüger ist als kluge Menschen, wird sie sich anschliessend selbst immer weiter verbessern, und zwar rasend schnell. Diese Superintelligenz, wie der Oxford-Philosoph Nick Bostrom das genannt hat, könnte nett zu uns sein – oder uns ähnlich betrachten, wie wir Ameisen: manchmal putzig, interessant, oft aber lästig und im Zweifelsfall aus dem Weg zu räumen.

Die aktuell realen Gefahren von lernenden Softwaresystemen gehen von auf den ersten Blick weit trivialeren Eigenschaften aus: Lernende Systeme, die ihre Daten über gut und schlecht, falsch und richtig, relevant und irrelevant von uns Menschen beziehen, verhalten sich allzu oft genauso gut oder schlecht wie wir. Sie lernen, um es mit Iain Banks zu sagen, „all unsere Dummheit“ mit: unseren Rassismus, unsere kognitiven Kurzschlüsse, unsere Tendenz zur Bösartigkeit, unsere Schwäche für die schnelle, leicht zu erreichende Belohnung, unsere Fehlurteile.

So dumm wie wir?

Es ist längst so weit: Algorithmische Systeme zur Entscheidung über Bewährungsauflagen diskriminieren Schwarze, Facebooks Sortiersystem begünstigt die Verbreitung von Hass, Wut und Lügen, Google bietet versehentlich Leuten, die auf der Suche nach Argumenten für Holocaustleugnung sind, Hilfestellung, automatische Handelssysteme verursachen Börsen-Crashes und so weiter. Kollateralschäden überall. Spätestens dann, wenn solche Systeme anfangen, Waffen zu steuern, wird es wirklich bedrohlich.

Musk hat also in gewisser Weise recht: Autonome Entscheidungssysteme brauchen Aufsicht und Kontrolle, und das besser früher als später.

Das Risiko besteht derzeit aber nicht primär darin, dass die Maschinen zu klug werden – sondern darin, dass wir noch zu dumm sind, sie wirklich klug zu Machen.

Source: Christian Stöcker