CDO Wissen – Business & Technologien

Das betriebliche Umfeld verändert sich laufend, die Unternehmen sind gefordert, sich stetig neu zu erfinden.

Die globale Verfügbarkeit von Wissen, Dienstleistungen und Waren hat die Märkte durcheinandergewirbelt. Die Konkurrenz kann nun auch auf der anderen Hälfte des Globus sein.

Die Digitalisierung läutet einen weiteren Entwicklungsschritt ein. Prozesse müssen überprüft, neu definiert und automatisiert werden, Personalkosten werden reduziert.

Chief Digital Officer müssen in der Lage sein, neue Trends und Technologien proaktiv zu erkennen und ihr Unternehmen optimal darauf ausrichten.

Chief Digital Officer müssen in der Lage sein:

  • neue und disruptive (gesellschaftliche und technologische) Entwicklungen zu erkennen und abzuschätzen, ob sie einen Einfluss auf den eigenen Markt haben werden
  • bestehende Geschäftsmodelle durch zeitgemässe Digitalisierungsansätze zu optimieren und gegebenenfalls neue Geschäftspotenziale mit der Digitalisierung zu erschliessen
  • Digitalisierungsansätze und –Modelle zu kennen und können diese im Unternehmen umsetzen
  • Trendanalysten und deren Trendforschungs- und -analyse-Methoden zu kennen
  • die IBM-Trends, die IBM-5in5-Trends und die Gartner Trends im ET (Emerging Technologies) Hype Cycle zu kennen
  • Nutzenpotenziale proaktiv erkannter Trends auf ein Unternehmen zu erkennen
  • die kritischen Erfolgsfaktoren für ein Unternehmen im Umgang mit Trends zu kennen, um damit den grösstmöglichen Nutzen zu erzielen
  • Technologische Entwicklungen und das S-Kurvenmodell darzustellen
  • Substitutionstechnologien und Methoden zur proaktiven Früherkennung von Technologiebrüchen und technologischen Disruptoren zu kennen
  • Trendforschung, Methoden und Analysten zu kennen
  • Prognosen erstellen zu können
  • eine Validierung anhand von Vorjahres- und Vorvorjahresvergleichen zu erstellen
  • die Integration disruptiver Technologieentwicklungen in einem Unternehmen herzustellen.

Meine SIB – CDO NDS HF – Studium / Mündliche Prüfung «Projekt- und Change-Management»

Kommentare willkommen.

SIB – CDO NDS HF – Studium / Customer / User Experience Management (CEM) Prüfungsarbeit – Trends & Technologien

Im Rahmen des Chief Digital Officer (CDO) Nachdiplom Studiums beim Schweizerischen Institut für Betriebsökonomie in Zürich hatten wir die Gelegenheit eine Prüfungsarbeit im Bereich Customer / User Experience Management (CEM) – Trends & Technoligien abzulegen.

Ein Dank an dieser Stelle an den hervorragenden Dozenten Christian Speck, Business Developer, Agile, Innovator, Coach, Enabler sowie an Lukas Karrer Chief Digital Officer, Mitglied der Geschäftsleitung bei Bouygues E&S InTec Schweiz AG, Geschäftsbereich Helion welche uns mit enormen Fachwissen und spannenden Details auch für viele Fragen zur Verfügung gestanden haben.

Bei der Prüfungsaufgabe mussten wir vor allem auf folgende Fragen eingehen:

  • Markt, Unternehmens und Angebotsbeschreibung und Abgrenzung
  • Darlegung einer Nutzenbasierten Kundensegmentierung
  • Ermitteln des Involvements der Zielgruppen gegenüber dem Angebot
  • Beschreibung alles Touch-Points in Relation zum Angebot
  • Darstellung der IST-Situation in Bezug auf die Kundenerfahrung
  • Darstellung der Customer Journey
  • Risiken in Bezug auf die Customer Journey
  • Verbesserungspotential in Bezug auf die Customer Journey
  • Identifizieren und analysieren aktuellster Trends und Technologien, welche sich positiv auf die Customer Journey auswirken können
  • Wie kann man positive Kundenerfahrung einwirken
  • u.v.m,

Customer Journey

Customer Journey ist ein Begriff aus dem Marketing und bezeichnet die einzelnen Zyklen, die ein Kunde durchläuft, bevor er sich für den Kauf eines Produktes entscheidet. Aus Sicht des Marketings bezeichnet die Customer Journey alle Berührungspunkte (Touchpoints) eines Konsumenten mit einer Marke, einem Produkt oder einer Dienstleistung.

Trends & Technologien

Die Digitalisierung verändert Wirtschaft und Arbeitswelt, kaum ein Wirtschaftssektor bleibt davon unberührt. Technische Grundlage dieses Wandels sind neue Technologien aus der Informations- und Kommunikationstechnik  sowie leistungsfähigere Computer und Netzinfrastrukturen. Während es in der ersten Phase der Digitalisierung vorwiegend darum ging, repetitive Geschäftsprozesse mithilfe von IKT zu automatisieren, kann die seit ungefähr 2008 sehr schnell fortschreitende digitale Transformation als «Digitalisierung von Allem» bezeichnet werden. Die neuen technischen Entwicklungen wie Cloud Computing, Mobile Computing, Big Data und Internet der Dinge ermöglichen neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, die zunehmend zum Einsatz kommen.

Die Digitalisierung hat folglich einen wesentlichen Einfluss auf den Strukturwandel und das Wirtschaftswachstum. Gerade für ein ressourcenarmes Land wie die Schweiz wird es deshalb wichtig sein, die Potentiale, die sich durch die Digitalisierung ergeben, bestmöglich zu nutzen.

Fantastische Sendung von SRF „Dataland“ Sehr empfehlenswert!

In welchem Datenland wollen die Schweizerinnen und Schweizer zukünftig leben?

Dieser und weiteren Fragen rund um die Digitalisierung in der Schweiz nimmt sich SRF im Rahmen des nationalen Themenabends «Dataland» an.

Susanne Wille führt durch die Sendung.

Zur Sendung

Tabubruch bringt Google in Millionen Autos

Die Google-Software Android kommt ins elektronische Armaturenbrett der Automarken Nissan, Renault und Mitsubishi. Bild: Keystone

Im Autobau bricht eine neue Ära an: Die Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi plant eine Zusammenarbeit mit Google,um Android-basierte Infotainmentsysteme in Millionen von Autos einzubauen. Beide Unternehmen kündigten ihr Vorhaben gegenüber dem «Wall Street Journal» an.

Demnach werden die Wagen der Allianz ab dem Jahr 2021 auf das Google-Betriebssystem Android zurückgreifen, um das Infotainmentsystem und die Cockpit-Bildschirme zum Laufen zu bringen.

Fahrer können so übers elektronische Armaturenbrett ihres Fahrzeugs auf Karten, den App Store und den Sprachassistenten von Google zugreifen. Die neue Partnerschaft gilt als wichtiger Schritt nach vorne für Googles Absicht, in die Innenräume von Autos zu expandieren.

Der französisch-japanische Verbund Renault-Nissan-Mitsubishi verkaufte im ersten Halbjahr dieses Jahres 5,5 Millionen Fahrzeuge. Er lag damit vor Volkswagen und Toyota.

Tomtom-Aktienkurs bricht ein

Die Ankündigung des Deals lässt den Aktienkurs von Tomtom regelrecht einstürzen. Der Titel des niederländischen Navigationsgeräteanbieters büsste an der Börse in Amsterdam knapp 30 Prozent an Wert ein. Die Notierung steuerte im Handelsverlauf auf den grössten Tagesverlust seit mehr als 13 Jahren zu. Die Anleger befürchten, dass nun die Nachfrage nach Tomtom-Produkten einbricht.

Führungskräfte der Allianz erklären, dass viele Kunden daran gewöhnt seien, Google Maps und andere Apps zu verwenden. Automobilisten würden Google-Apps vorziehen, anstatt beim Fahren Software zu nutzen, die von Automobilherstellern entwickelt worden sei. Deshalb habe man sich für eine Zusammenarbeit mit Google entschieden.

Damit wird das Tabu der Autoindustrie gebrochen, nur lose mit branchenfremden Digitalkonzernen zu kooperieren. Google «wildert» bereits in der Autobranche, indem die Firma selbstfahrende Wagen entwickelt.

Manche Automanager haben über die Jahre offenbar ihre Bedenken gegenüber dem Technologiekonzern abgelegt. Der Suchmaschinenbetreiber hat Android seit dem Jahr 2007 zu Software mit öffentlich zugänglichem Quelltext gemacht.

Kal Mos, Chef bei der Allianz für den Geschäftsbereich vernetzte Fahrzeuge, sagt gegenüber dem «Wall Street Journal», dass «in den vergangenen Jahren Vertrauen aufgebaut wurde».

Und der Datenschutz?

Durch die Partnerschaft mit Google erhöht Renault-Nissan-Mitsubishi den Druck auf die Konkurrenz, ebenfalls mit Technologieunternehmen zusammenzuarbeiten, anstatt eigene Softwareökosysteme zu entwickeln. Der Einsatz von Android kann zwar Kunden von einem Autokauf überzeugen, bedeutet aber auch: Die Autohersteller geben die Kontrolle über wertvolle Benutzerdaten an Dritte ab.

Automanager Mos erklärt dazu, dass Google Zugang zu den Daten habe, die seine Apps im Auto sammelten. Der Suchmaschinenbetreiber müsse aber zuerst das Einverständnis des Benutzers einholen.

Andere Autohersteller, die bereits Google-Apps in ihre Fahrzeuge gelassen haben, sind Volkswagen und Volvo. VW bindet Google Earth ins Navigationssystem von Audi ein. Volvo wird sein nächstes Infotainmentsystem im Auto auf Android betreiben.

Source: BAZ

Die Digitalisierung ist die 1. technische Revolution, die mehr Stress bringt als Komfort

Passt zur aufgeführten Thematik:

Bestseller: Zero – Sie wissen, was du tust. Big Data at it’s finest!

Die Schweizer wollen keine verhaltensabhängige Krankenassenprämien, sind sensibilisiert auf Datenschutz und stehen Tracking-Apps skeptisch gegenüber. Trotzdem benutzen viele genau diese Apps, wie eine Studie ergeben hat. Studienautor Michael Hermann über paradoxe Entscheidungen und warum der Mensch manchmal ein Frosch ist.

Herr Hermann, wenn man Ihre Studie liest, dann wird einem ein bisschen mulmig: Angst vor der Digitalisierung, Furcht vor der allgegenwärtigen Lebensvermessung, permanenter Druck im Alltag … Die Befragten wirken ziemlich pessimistisch.
Michael Hermann: Der Eindruck ist absolut richtig. Wenn man sich die Welt so ausmalt, dass alles gemessen und alles ausgewertet werden kann, dann endet man beim gläsernen Bürger. Diese Vorstellung behagt den Leuten gar nicht, das wird in unserer Studie deutlich.

Und doch sind viele der Befragten offen für die Idee, noch mehr Bereiche ihres Lebens auszuwerten …
Ja, interessanterweise ist man offener für die Idee der Vermessung und Auswertung von Daten, wenn man selber aktiv ist. Es sind eben zwei unterschiedliche Ebenen: Theoretisch stehen viele der Idee der permanenten Vermessung des eigenen Lebens sehr skeptisch gegenüber, sobald man es aber selber anwendet, scheint diese Skepsis bei vielen zu verschwinden.

Wie erklären Sie dieses Paradox?
Es ist wie beim Frosch im warmen Wasser. Der Frosch stört sich nicht daran, dass das Wasser Schritt für Schritt ein bisschen wärmer wird. Im Gegenteil, er findet es wohlig warm. Wenn er aber wüsste, dass das Wasser irgendwann kochend heiss ist, dann wäre er schon lange aus dem Teich gehüpft.

Der Mensch als Frosch?
Schauen Sie, im Alltag kommt vieles Schritt für Schritt. Bei Dingen, die man nicht braucht und die man nicht verwendet, ist man skeptisch. Sobald man es im Alltag aber braucht, wird der Nutzen höher gewichtet als die Ängste. Man macht mit, sagt sich, dass die kleinen Schritte die Machtverhältnisse ja nicht auf den Kopf stellen. Es ist ein schleichendes Abgleiten in eine neue Welt. Wenn man aber einen Schritt zurück geht und reflektiert, dann hat man plötzlich die dystopische Vorstellung einer Welt, die allumfassend kontrolliert wird. Eigentlich nimmt man an etwas teil, von dem man das Gefühl hat, es führe an einen schlechteren Ort.

Interessanterweise glauben auch diejenigen Befragten, die selber regelmässig eigene Daten aufzeichnen und auswerten, dass sie damit eigentlich nur den grossen Konzernen wie Facebook, Google & Co. in die Hände spielen.
Ja, der Gedanke des Wissensvorsprungs durch die Auswertung der eigenen Gesundheitsdaten spielt offenbar nur eine geringe Rolle. Selbst die, die mehr Daten aufzeichnen, haben das Gefühl, dass sie an Einfluss verlieren. Es ist dieses Bild, dass die Macht der wenigen Grossen erhöht wird – the survival of the fittest.

Gleichzeitig beklagen sich die Befragten über den Stress und den Druck, den die Digitalisierung mit sich bringe.
Das ist tatsächlich eine Premiere in der Geschichte: Die technische Entwicklung war bislang immer mit Komfort und einem Lebensversprechen verbunden – die Waschmaschine, der Staubsauger, im Arbeitsbereich der Bagger – jetzt beklagen sich die gleichen Leute, die Tracking-Apps nutzen, über Stress und Leistungsdruck.

Wir haben also die erste Art technischer Revolution, die mehr Stress bedeutet als Komfort.

Auch das ist ein Grund dafür, warum die Befragten so pessimistisch sind.

Woran liegt das?
Alles was man aufzeichnet, kann verglichen werden, und dieser permanente Vergleich wiederum kann unglaublich belastend sein.

Apropos Vergleich: Das Heilsversprechen des Individualismus scheint die Leute nicht mehr so richtig zu überzeugen.
Ja, die Angst vor einem Verlust an Individualität ist bei den Befragten verbreitet. Das ist tatsächlich erstaunlich: Trotz personalisierter Werbung und zugeschnittener Produkte fürchtet man sich offenbar vor einer zunehmenden Uniformität.

Auch das Sammeln persönlicher Daten durch Dritte wird skeptisch betrachtet. Dem Satz «Da ich nichts zu verbergen habe, brauche ich auch nichts zu befürchten» stimmten Linke häufiger zu als Rechte. Sind das Spätfolgen des Fichenskandals?
Ich glaube eher, es liegt daran, dass aus linker Sicht der Schutz vor abweichenden Meinungen, der Minderheitenschutz und die Angst, dass man aufgrund von Persönlichkeitsmeinungen diskriminiert werden könnte, viel mehr im Bewusstsein ist als bei den Rechten. Auf der rechten Seite sind die Konformitätsvorstellungen viel dominanter.

Die Studie wurde von der Stiftung der Sanitas finanziert, einer der grössten Schweizer Krankenkassen. Was die Krankenkasse mit dieser Studie eigentlich wissen möchte, ist, ob die Solidarität im Gesundheitssystem noch immer sakrosankt ist. 
Ja, das Prinzip der Solidarität ist in der Gesellschaft nach wie vor sehr verankert. Will man das aushebeln, wird man auf starken Widerstand stossen. Das heisst auch, dass politische Vorstösse in diese Richtung aktuell nicht erfolgversprechend wären.

Sie sagen «aktuell». Der Gebrauch von Fitness-Tracker & Co. könnten diese scheinbare Gewissheit aber umstossen.
Das Versicherungsprinzip funktioniert so, dass man nicht im vornherein weiss, wen es trifft und wen nicht: Man schliesst sich zusammen, um die Risiken zu vergesellschaften. Der gesellschaftliche Kitt besteht unter anderem auch aufgrund dieses sogenannten «Schleiers des Nichtwissens» – niemand weiss im vornherein, wen einst welche Krankheit oder welcher Unfall ereilt. Deshalb ist man bereit, in diesen Topf einzuzahlen. Die Tracking-Apps bewirken nun, dass dieser Schleier immer mehr gelüftet wird – individualisierte Prämien aufgrund des Vorwissens sind also denkbar. Es könnte irgendwann soweit kommen, dass es gar keine Versicherung mehr gibt.

Was hat Sie an den Studienergebnissen am meisten überrascht? 
Das Gefühl, man könne im Netz alles gratis haben, ohne auf irgendeine Art dafür zu bezahlen, sei es mit Geld oder mit Daten.

Gratis-Emails, Suchmaschinen, WhatsApp – dass irgendjemand hinter diesen Produkten ein Geschäftsmodell verfolgt, scheint in den Köpfen der Leute nicht zu existieren.

Das überrascht mich, schliesslich hat sich überall sonst in der Geschichte des Kapitalismus das Bewusstsein für die Marktwirtschaft bis in die letzte Pore durchgesetzt.

Sind wir einfach zu naiv? 
Ich glaube, es hat mit der Entstehungsgeschichte des Netzes zu tun, man hat eine ganze Generation so sozialisiert, als ob das Internet ein einziger grosser Gratis-Spielplatz wäre. Darunter leiden jetzt dutzende Branchen, nicht zuletzt die Medien.

Wir haben das Internet zu Unrecht als Hort der Freiheit hochgejubelt? 
Ja. Die Idee, dass ein freies Internet automatisch zu Gleichheit und Gleichberechtigung führt, war von Anfang an illusorisch. Diese utopische Vorstellung ist jetzt endgültig weg.

Dafür ist jetzt die Vorstellung stark ausgeprägt, dass das Netz dominiert ist von wenigen grossen Konzernen in einer historisch einmaligen Machtballung.

Source: William Stern

Alls ich aufhörte durch mein Leben zu hetzen war ich erstaunt darüber für wieviel mehr Leben ich plötzlich mehr Zeit hatte

Digitale Stress-Fabrik: So geraten wir bei Arbeit unter Druck

Der Druck auf die Arbeitnehmer steigt stetig. Das belegt nun auch eine Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Wir präsentieren die wichtigsten Ergebnisse.

Computer, vernetzte Arbeitsplätze, Arbeit von zu Hause aus. Man könnte meinen, die Digitalisierung der Arbeitswelt macht den Beschäftigten das Leben leichter. Doch das Gegenteil ist der Fall.
60 Prozent der Beschäftigten, die mit digitalen Medien arbeiten, berichten, dass sie sich sehr häufig oder oft gehetzt fühlen oder unter Zeitdruck stehen. Die Dichte der Arbeit nimmt stetig zu, von Arbeitnehmern wird erwartet, dass sie auch zu Hause stets erreichbar sind. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes unter 9601 Arbeitnehmern.
Hier die Ergebnisse:

Arbeitsbelastung: Insgesamt 60 Prozent aller Befragten arbeiten im hohen oder sehr hohen Masse (jeweils 30 Prozent) mit digitalen Medien. 46 Prozent von ihnen erklären, dass die Arbeitsbelastung zugenommen hat, nur neun Prozent berichten das Gegenteil. 54 Prozent berichten von einer gewachsenen Arbeitsmenge. 60 Prozent der von Digitalisierung betroffenen Arbeitnehmer klagen über Zeitdruck. Bei denen, die nicht digital arbeiten, sind es nur 51 Prozent.

Arbeitsfluss: 65 Prozent der digital arbeitenden Menschen müssen verstärkt gleichzeitig mehrere Arbeitsschritte durchführen. 61 Prozent haben ein erhöhtes Arbeitspensum zu bewältigen. 49 Prozent fühlen sich sehr häufig oder oft der digitalen Technik ausgeliefert. Von ständigen Unterbrechungen und Störungen berichten 69 Prozent der digital Arbeitenden. Bei den anderen sind es nur 36 Prozent.

Arbeitsintensivierung: 81 Prozent der digital Arbeitenden müssen sehr häufig oder oft gehetzt arbeiten, 73 Prozent von ihnen ein höheres Arbeitspensum bewältigen. 57 Prozent von ihnen werden bei der Arbeit vermehrt überwacht.

Arbeitszeiten: Paradoxerweise steigt die Arbeitsbelastung mit der Arbeitszeit. 53 Prozent derer, die 35 bis 40 Stunden digital arbeiten, klagen über häufige oder sehr häufige Hetze in der Arbeit. Bei denen, die 40 bis 45 Stunden arbeiten, sind es 64 Prozent. Wer noch mehr arbeitet, bei dem liegt das Hetze-Risiko bei 76 Prozent! Die Überstundenquote liegt bei in sehr hohem Masse digital Arbeitenden bei 69 Prozent, bei gar nicht digital Arbeitenden nur bei 47 Prozent!

Ständige Erreichbarkeit: 75 Prozent derjenigen, von denen sehr häufig oder oft erwartet wird, dass sie auch von zu Hause arbeiten, fühlen sich bei der Arbeit gehetzt – gegenüber 54 Prozent derjenigen, von denen eine ständige Erreichbarkeit gar nicht oder nur selten verlangt wird. 38 Prozent derer, die auch von zu Hause arbeiten, berichten davon, sehr häufig oder oft unbezahlt zu arbeiten. Bei allen Arbeitnehmern beträgt dieser Anteil nur 16 Prozent.

Mitsprache: Nur 26 Prozent der hochgradig digital Arbeitenden können Einfluss auf die Art und Weise des Einsatzes der digitalen Technik an ihrem Arbeitsplatz nehmen, davon nur sieben Prozent in sehr hohem Masse, 19 in hohem Masse.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach warnt vor den negativen Folgen neuer Technologien in der Arbeit für die psychische Gesundheit: „Es läuft etwas schief mit der Digitalisierung, wenn Beschäftigte sie nicht als Entlastung, sondern als Intensivierung ihrer Arbeit erleben.“ Schlecht organisierte Arbeit sei ein „entscheidender Stressfaktor“. IG Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban kritisiert: „Die Digitalisierung kann einen Beitrag leisten zur Humanisierung der Arbeit, tatsächlich hält sie aber vielfach nur als Rationalisierung von oben Einzug in die Betriebe.“ Buntenbach hat als Lösung aus dem Dilemma folgenden Ratschlag: „Wenn die Beschäftigten Einfluss auf die von ihnen bewältigte Arbeitsmenge nehmen können, treten Arbeitshetze & Co. seltener auf.“

Drei Tipps gegen Bürohetze

Pausen gestalten: Man sollte sich vom Arbeitsplatz wegbewegen – einmal um den Block gehen oder sich in einen Park setzen und sich nicht mit dem Smartphone beschäftigen. Die Pause soll ein gesunder Ausgleich zur Arbeit sein.

Feierabend machen: Wer das Diensthandy mit ins Bett nimmt und vor dem Schlafengehen seine Mails checkt, tut sich keinen Gefallen. Funktionen wie Arbeitsmails sollten ausgeschaltet sein. Das Blaulicht bei Smartphone oder Tablet lässt sich oft reduzieren, das hilft beim Einschlafen.

Der Mensch im Mittelpunkt: Nicht die Maschine darf die Taktung vorgeben, sie muss den Menschen unterstützen. Der Arbeitgeber muss den Beschäftigten einbeziehen. Schichtsysteme müssen kritisch hinterfragt und angepasst werden. Arbeitnehmer sollten Bedenken rechtzeitig ansprechen.

Source: J. Welte

 

Ü50 haben kaum Nachteile gegenüber Digital Natives

Im Interview erklärt Patrik Schellenbauer von Avenir Suisse, weshalb Digital Natives nicht unbedingt im Vorteil sind und weshalb Schulen die Digitalisierung verschlafen.

Herr Schellenbauer, die Avenir-Suisse-Studie «Wenn die Roboter kommen» zeigt, dass die Digitalisierung noch keine grossen Umwälzungen gebracht hat. Das widerspricht der allgemeinen Wahrnehmung.

Patrik Schellenbauer: Die öffentliche Wahrnehmung basiert auf einseitigen Negativszenarien, vor allem für den Arbeitsmarkt. Die Realität sieht ganz anders aus. Das zeigt sich etwa in der Verbreitung von atypischen Arbeitsformen. In einer digitalen Welt wäre zu erwarten, dass viele Leute mehrere Jobs gleichzeitig machen. Konkret: Jemand versucht sich selbstständig in einem Startup und ist gleichzeitig in einem kleinen Pensum noch irgendwo angestellt. Oder man arbeitet halbselbständig für mehrere digitale Plattformen. Davon sieht man jedoch wenig. Die Arbeitsformen sind noch immer sehr traditionell.

90 Prozent der Leute sind fest angestellt.Bis anhin haben Roboter noch kaum Arbeitsplätze vernichtet.

Könnte sich das ändern, wenn plötzlich die disruptiven Kräfte voll durchschlagen?
Kurzfristig wäre es sicher anspruchsvoll, eine eigentliche Disruption im Arbeitsmarkt zu bewältigen, aber dieser Fall ist unwahrscheinlich. Langfristig ist das Gegenteil der Fall: Wenn die Digitalisierung richtig einsetzt, wird es eine grössere Nachfrage nach Arbeitskräften geben, das Ende der Arbeit wird vorschnell ausgerufen. Die Jobs und Arbeitsinhalte werden sich laufend weiterentwickeln – das ist aber nicht erst seit heute so. Es ist ein stetiger Prozess, zugleich werden neue Jobs entstehen.

Besonders gefährdet sind repetitive Arbeiten. Was sollen Verkäufer, Busfahrer oder Buchhalter tun?

Wichtig ist, dass wir viele Leute mit einer möglichst breiten Bildungsbasis haben, denn das erleichtert eine Umbildung enorm, falls sie nötig wird. Was der Busfahrer dann genau tun wird? Er arbeitet vielleicht in der Kundenbetreuung des Busunternehmens. Gefragt sein werden Sozialkompetenzen und Vermittlungsgeschick gepaart mit digitalen Fähigkeiten – also all das, was nicht von Maschinen substituiert werden kann.

Die grosse Pensionierungswelle der Baby-Boomer-Generation rollt nun an. Sie sagen, dass die Digitalisierung die dadurch sinkende Produktion abfedern kann. Ist die Digitalisierung also ein Segen?

Uns gehen in der Tat mehr die Arbeitskräfte aus als Arbeit. Deshalb sehe ich die Digitalisierung vor allem als grosse Chance. Ihr enormes produktives Potenzial könnte helfen, die stark steigenden Lasten in einer schnell alternden Gesellschaft zu bewältigen. Sie künstlich aufzuhalten – etwa mit einer Robotersteuer oder der Behinderung von Plattformarbeit – wäre volkswirtschaftlich schädlich. Vielmehr müssen wir die Weichen so stellen, dass die Entwicklung ermöglicht wird und die Produktivität endlich wieder steigt.

Was ist mit Angestellten über 50?

Wer den Grundsatz des lebenslangen Lernens verinnerlicht hat, hat auch mit 50 Jahren kein Problem.

Ich glaube nicht, dass die Ü50 einen grossen Nachteil gegenüber Digital Natives haben. Sie besitzen mehr Lebenserfahrung und vor allem: Sie haben die Digitalisierung seit den 1980er-Jahren von Anfang an miterlebt und haben deshalb mehr Einsicht, wie digitale Technologie funktioniert.

 

Avenir_Suisse_Studie

Im physischen Sektor ist die Produktivität deutlich stärker gestiegen als im digitalen Sektor. Quelle: Screenshot aus der Avenir-Suisse-Studie

Apropos Lernen. Sie sagen, die Schulen hätten die Digitalisierungverschlafen. Was müssen sie ändern?

Das ist natürlich nicht nur eine Aufgabe der Schule, sondern der ganzen Gesellschaft. Was aber die Schweizer Volksschulen betrifft, sehe ich tatsächlich einen Rückstand, andere Länder sind wesentlich weiter. Das ändert sich doch mit dem neuen Lehrplan.
Im Lehrplan 21 ist Informatik und Medienkunde nun fest verankert, das ist erfreulich. Doch viele Schulen sehen darin eher Medienkunde als Informatik im engeren Sinn. Es geht vor allem darum, Schüler in den neuen Medien kompetent zu machen. Das ist zwar wichtig, reicht aber nicht.

Was braucht es dann?

Mindestens ab der Oberstufe braucht es Informatik als eigenes Schulfach. Es gibt nämlich ein grosses Missverständnis um die Digital Natives. Man denkt, die Jungen sind digital aufgewachsen, die machen und verstehen das alles intuitiv. Aber: Digital Native zu sein, heisst noch nicht, dass man das Denken dahinter in der Tiefe versteht und begreift, wie die Maschinen wirklich funktionieren.

Was können Schulen konkret tun?

Es gibt schon längst kindgerechte Programmiersprachen und Algorithmen, mit denen Kinder spielerisch zum Beispiel eine Schildkröte oder einen kleinen Roboter programmieren können. Ich bin sicher, dass die Kids das toll fänden. Dazu muss man ja nicht Coden lernen, aber das Prinzip und die Zusammenhänge verstehen. Im Gegenzug könnte man etwa Geometrie oder Handarbeit zugunsten von Informatik zurückschrauben.

Müssen auch die Berufsschulen umstellen?

Man sollte den Anteil der Allgemeinbildung wie Sprachen, Informatik und Mathematik in der Berufslehre erhöhen. Denn: Wer einen sehr spezifischen Beruf lernt, den es vielleicht in 15 Jahren nicht mehr gibt, hat dann Mühe mit der Umstellung. Als Beispiel: In der Schweiz konnte man noch bis Anfang der 1990er Jahre Schreibmaschinenmechaniker lernen, obwohl schon längst klar war, dass Schreibmaschinen ein Auslaufmodell sind. Wenn man solche spezifischen Berufe ausbildet, wird es schwierig, wenn die Auszubildenden am Schluss einen zu eng gefassten Bildungsrucksack haben, der in wenigen Jahren überholt ist.

Welche Chancen bietet die Digitalisierung der Schweiz?

Ein grosser Vorteil ist, dass unser Arbeitsmarkt flexibler ist als in vielen Ländern Europas. Da haben wir strukturell einen grossen Vorteil, den wir beibehalten und nicht mit unnötigen Regulierungen einschränken sollten. Auch sollten wir Cluster wie etwa das Crypto Valley in Zug gedeihen lassen. Wo uns die Digitalisierung genau hinführt, kann man noch kaum abschätzen. Ich bin aber grundsätzlich optimistisch, dass sie das Leben von uns allen verbessern wird.

Source: Bastian Heiniger

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Sieben von zehn haben im Job keine Zeit für Weiterbildungen

Berufstätige sehen sich nicht für digitale Arbeitswelt gerüstet

  • Sieben von zehn haben im Job keine Zeit für Weiterbildungen
  • Drei Viertel sehen Digitalkompetenz als neue Kernkompetenz
  • Digitale Formate wie Lern-Apps machen lebenslanges Lernen leichter

Die meisten Berufstätigen sehen sich nicht optimal für die digitale Arbeitswelt gewappnet. Der Mehrheit fehlt es für Weiterbildungen an Zeit und Angeboten, um im Job mit den Anforderungen der Digitalisierung Schritt halten zu können. Sieben von zehn der abhängig Beschäftigten (72 Prozent) beklagen, dass während der Arbeit keine Zeit für eine Weiterbildung zum Umgang mit neuen, digitalen Technologien bleibt. Sechs von zehn (59 Prozent) sagen, dass ihr Arbeitgeber keine Weiterbildungen zu Digitalthemen anbietet. Und vier von zehn (39 Prozent) erklären, dass ihr Arbeitgeber vermehrt auf neue, digitale Technologien setzt, ohne in die dafür erforderliche Weiterbildung seiner Mitarbeiter zu investieren. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. „Neben der Motivation der Mitarbeiter spielen auch das vorhandene Zeitbudget und das Angebot an Weiterbildungen durch den Arbeitgeber eine entscheidende Rolle. Hier ist vor allem das Management gefordert. Lebenslanges Lernen muss raus aus dem Podiumssprech und rein in die unternehmerische Praxis. Digitalkompetenz gehört dabei in den Mittelpunkt“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Digitalkompetenz wird zur Kernkompetenz

Drei von vier Erwerbstätigen (77 Prozent) sind der Ansicht, dass Digitalkompetenz für ihren Arbeitsplatz künftig genauso wichtig sein wird wie fachliche oder soziale Kompetenz. 8 Prozent meinen, dass Digitalkompetenz in Zukunft die wichtigste Fähigkeit von Arbeitnehmern sein wird. Berg: „Fragt man Geschäftsführer und Personalentscheider, zeigt sich ein ähnliches Bild. Digitalkompetenz wird in allen Branchen zur Kernkompetenz.“ Schon heute sind digitale Technologien im Job nicht mehr wegzudenken. Acht von zehn Erwerbstätigen (80 Prozent) sagen, dass digitale Technologien wie Computer, Internet oder digitale Produktionsmaschinen für ihre tägliche Arbeit eine grosse Bedeutung haben. Je nach Thema haben die Erwerbstätigen einen unterschiedlichen Nachholbedarf. Jeder Dritte (32 Prozent) hat bereits eine Weiterbildung zur richtigen Bedienung von Standardprogrammen zum Beispiel von Microsoft, SAP oder Datev gemacht. Jeder Vierte (27 Prozent) dagegen hat dazu noch keine Weiterbildung absolviert, obwohl es im Job hilfreich wäre. Zur allgemeinen Handhabung digitaler Technik hat sich jeder Fünfte (19 Prozent) weitergebildet und ein weiteres Drittel (31 Prozent) hielte das für hilfreich. Seltener bilden sich Erwerbstätige weiter zu Datenschutz im Internet (13 Prozent), Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft (13 Prozent), technischen Grundlagen wie Programmiersprachen (9 Prozent), rechtlichen Grundlagen im Internet wie Urheberrecht (8 Prozent) und richtigem Verhalten in Chats und Sozialen Netzwerken (3 Prozent).

76 Prozent der Bundesbürger bilden sich privat weiter

Allgemein gibt es ein breites Bewusstsein für die Bedeutung von lebenslangem Lernen im digitalen Zeitalter. Jeweils etwa neun von zehn Bundesbürgern ab 14 Jahren sagen, dass lebenslanges Lernen im Zusammenhang mit Digitalisierung immer wichtiger wird (92 Prozent), Weiterbildungen zu Digitalthemen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen (89 Prozent) und Weiterbildungen zu digitalen Technologien Voraussetzung für Erfolg im Beruf sind (88 Prozent). Die Bereitschaft, sich ausserhalb des Jobs weiterzubilden, ist entsprechend gross. Drei Viertel der Bundesbürger (76 Prozent) bilden sich privat weiter. Die populärsten Themen sind Ernährung/Kochen (klassische Lernformate: 36 Prozent; digitale Lernformate: 23 Prozent), Computer-Programme wie Microsoft Office oder Adobe Photoshop (25 Prozent/7Prozent) und Fremdsprachen (20 Prozent/7 Prozent). Im Programmieren bilden sich 4 Prozent klassisch weiter, 2 Prozent nutzen digitale Lernformate. Dabei unterscheidet sich der Zeitaufwand sehr stark. Pro Woche sind 13 Prozent bereit, bis zu 30 Minuten zu investieren, 27 Prozent bis zu einer Stunde, 21 Prozent bis zu zwei Stunden, 13 Prozent bis zu einen Tag und 2 Prozent mehrere Tage. Jeder Fünfte (20 Prozent) ist dagegen nicht bereit, Zeit in eine private Weiterbildung zu investieren. Berg sieht hier Potenzial für digitale Lernformate. „Digitale Lernformate wie Online-Tutorials, Lern-Apps fürs Smartphone oder MOOCs sind vielseitig und leicht zugänglich. Sie lassen sich immer und überall nutzen – etwa auf Bahnfahrten, im Wartezimmer oder an der Bushaltestelle. Neue Technologien wie adaptive Learning ermöglichen Inhalte, die genau an den individuellen Wissensstand und Lernfortschritt angepasst sind.“ Das bestätigt auch die Studie: Knapp neun von zehn Nutzern digitaler Lernformate (87 Prozent) sehen den Vorteil, sich immer und überall weiterbilden zu können. Sechs von zehn (59 Prozent) sind überzeugt, mit digitalen Lernformaten schneller und zielgerichteter lernen zu können. 43 Prozent sagen, digitales Lernen macht mehr Spass als mit klassischen Lernformaten.

Weiterbildungsangebote ausbauen

Der Bitkom fordert eine Initiative von Politik und Wirtschaft, um lebenslanges und informelles Lernen zu stärken. In der beruflichen Weiterbildung sollten die Angebote kontinuierlich verbessert und an die sich wandelnden Anforderungen der Digitalisierung angepasst werden. Für Weiterbildungsangebote zu digitalen Kompetenzen sollten staatliche Programme aufgelegt werden. Die Vermittlung von Digitalkompetenz muss zudem über die gesamte Bildungskette hinweg in den Vordergrund rücken. Um die Bereitschaft zu Weiterbildungen zu erhöhen, sollten für Unternehmen und Erwerbstätige gezielt Anreize geschaffen werden, etwa durch Steuererleichterungen. Neben der Politik seien auch die Unternehmen gefordert, betont Berg: „Bei der derzeit allgemein guten Auftragslage versäumen es viele Unternehmen, in das Geschäft und die Mitarbeiter von morgen zu investieren. In Zukunft braucht es vor allem sehr gut qualifizierte Fachkräfte – dafür müssen auch die Unternehmen sorgen.“

Hinweis zur Methodik: Die Angaben basieren auf einer repräsentativen Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Im August 2017 wurden dabei 1.010 Bundesbürger ab 14 Jahren befragt, darunter 551 Erwerbstätige beziehungsweise 462 Erwerbstätige in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis sowie 459 Nutzer digitaler Lernformate. Die Umfrage ist repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.

Source: Bitkom

Weitere Quellen:

SAP Learning Hub, Dozentengeführte eLearning Plattform von SAP

Warum Sie mit kleinen Lernhäppchen besser lernen. Micro Learning.

EPSS Electronic Performance Support

Say Goodbye To Knowledge Workers And Welcome To Learning Workers

SAP feiert die Digitalisierung

Der SAP Live Campus hat sich in diesem Jahr dem Thema Digitalisierung gewidmet. Im Fokus standen die Chancen und Risiken der digitalen Transformation für Unternehmen und die Gesellschaft.

SAP hat Kunden, Partner und Medienvertreter zum Live Campus 2018 ins Congress Center Basel eingeladen. Der deutsche Softwarehersteller wolle zwei Tage lang Gelegenheit zum persönlichen Austausch und zum Kennenlernen seiner Produkte geben, sagte Bernd Brandl zur Eröffnung der Veranstaltung.

Der Managing Director von SAP Schweiz unterstrich gleich zu Beginn des ersten Tages, dass dies in lockerer Atmosphäre geschehen soll. Er unterhielt sich nämlich zunächst mit SRF-Moderator Sascha Ruefer an einer Kaffeebar, die SAP auf der Hauptbühne des Live Campus aufgebaut hatte.

Die Veranstaltung, zu der sich rund 1450 Besucher angemeldet hätten, stehe unter dem Motto „das intelligente Unternehmen“, sagte Brandl, nachdem er den morgendlichen Espresso getrunken hatte. Die Digitalisierung sei in vollem Gange, was Gesellschaft und Wirtschaft vor grosse Herausforderungen stelle. Unternehmen müssten ihre Geschäftsprozesse anpassen, wenn sie in der digitalen Transformation nicht untergehen wollten.

Wie SAP Firmen in diesem Wandel unterstützen will, zeigte Brandl zum einen an ausgewählten Kunden wie Hoerbinger, Omega oder der Swiss Re, die in Basel ihre Projekte vorstellten. Zum anderen demonstrierte er anhand des „SAP Copilot“, wie neue Technologien beim Hersteller selbst die Prozesse verändern.

Beim Copilot handle es sich um einen ins ERP integrierten Sprachassistenten, der Mitarbeiter bei der Terminplanung und dem Management von Informationen unterstützen soll. Nach einigen Startschwierigkeiten zeigte Brandl, wie sich mit dem Copilot etwa Aufgaben, Agenda und Unvorhergesehenes bewältigen lasse. Das Programm werde im Sommer 2018 auf Englisch veröffentlicht.

Digitalisierung on the bright Side of HR

Nach der Begrüssung durch Brandl holte Sascha Ruefer Stefan Ries auf die Bühne. Ries, bei SAP Chief Human Ressources Officer, stellte sich als Optimist vor, denn er liess vor seinem Referat verschiedene Schlagzeilen zum drohenden Jobverlust durch die Automatisierung auf die Leinwand projizieren – untermalt vom Monty-Python-Song „Always Look on the Bright Side of Life“.

„Ich sehe in der Digitalisierung eine Chance und nicht nur Risiken“, sagte Ries. Die Herausforderung bestehe darin, für diese Chancen bereit zu sein und daraus einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. SAP wolle in der Welt etwas bewegen und digitale Technologie könne hierbei helfen. Es winkten höhere Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und zufriedenere Kunden.

Für die HR-Abteilung eines Unternehmens heisse dies, Digitalisierung „erlebbar“ zu machen. Bis 2025 sind laut Statistik 80 Prozent aller Angestellten Digital Natives. Für sie seien gute digitale Tools eine Selbstverständlichkeit. Wer junge Talente anlocken wolle, müsse seinen Mitarbeitern deshalb einfache, intuitive und schnelle Prozesse zur Verfügung stellen, sagte Ries.

SAP versucht dies, indem das Unternehmen HR-Dienste mobil anbietet, etwa zur Verwaltung der Urlaubstage. Auch die klassischen Zielvorgaben und jährlichen Mitarbeitergespräche seien kein Rezept für die künftige Arbeitswelt mehr.

Als weitere Technologie, die HR-Chefs die Arbeit erleichtern könnte, erwähnte Ries künstliche Intelligenz (KI). Mittels „smarter“ Auswertung von Daten könne der Mensch bessere Entscheidungen treffen. Vorausschauende Tools und Analytics könnten zudem bei der Planung helfen. Diese werde in Zeiten rasch wandelnder Job-Profile immer anspruchsvoller.

Ja, viele Aufgaben und Jobs werden in Zukunft Maschinen ausüben – doch es würden auch neue Berufe entstehen, gab sich Ries überzeugt. Jede industrielle Revolution der Vergangenheit habe schlussendlich ein Mehr an Innovation zur Folge gehabt.

Vor allen Dingen sei es jetzt wichtig, den Menschen die Angst vor der digitalen Transformation zu nehmen. SAP investiere aus diesem Grund in die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter, engagiere sich für mehr Frauen in der IT und fördere Forschungsprojekte, die der Gesellschaft einen Mehrwert bringen, sagte Ries. Bei der Digitalisierung, das gab SAPs HR-Chef dem Publikum mit auf den Weg, dürfe der Mensch nicht vergessen gehen.

Mit Technologie in eine bessere Zukunft

Stefan Ries beendete sein Referat auf einer positiven Note. Seine Zuversicht wurde vom nächsten Gast auf der Bühne aber noch übertroffen. Jim Hagemann Snabe, ehemaliger Co-CEO von SAP und seit Februar 2018 Vorsitzender des Aufsichtsrats von Siemens, machte gleich zu Beginn klar, dass er die Digitalisierung als enorme Chance versteht.

„Wir leben in aussergewöhnlichen Zeiten“, sagte der dänische Mathematiker. Die Spielregeln der Wirtschaft würden sich gerade völlig ändern. Was früher noch funktionierte, funktioniere in Zukunft nicht mehr. Neue Unternehmen hätten Erfolg und könnten exponentiell wachsen, während andere verschwänden.

Snabe illustrierte den digitalen Wandel anhand verschiedener Branchen. Wichtig sei hierbei, nicht auf Technologien zu setzen, die vielleicht irgendwann einmal vorhanden seien, sondern das Potenzial der heute verfügbaren Technologie voll auszuschöpfen.

Dem Transport könne die Digitalisierung zu mehr Effizienz und Sicherheit verhelfen, sagte Snabe. Energie könne künftig dezentral und über Solar- und Windanlagen erzeugt werden. 3-D-Drucker und Roboter könnten die industrielle Produktion billiger machen und näher an den Kunden bringen. In der Medizin soll die Digitalisierung genauere Diagnosen und die Früherkennung von Krankheiten ermöglichen.

Alles in allem könne digitale Technologie zu einer besseren und nachhaltigen Zukunft führen, sagte Snabe. Wer in dieser Zukunft Erfolg haben wolle, müsse aber sowohl die digitale wie auch die physische Welt meistern. Amazon sei ein Beispiel für ein Unternehmen, das diese beiden Welten in einen Mehrwert verwandelt habe.

Snabe unterliess es nicht, auf die Risiken der technischen Entwicklung hinzuweisen. Die Cyberangriffe auf die Logistikfirma Maersk hätten die Sicherheitsprobleme der Digitalisierung vor Augen geführt. Die Bereits von Stefan Ries erwähnte Frage der verschwindenden Jobs sprach Snabe ebenfalls an.

Eine besondere Herausforderung bestehe aktuell in der politischen Entwicklung, sagte Snabe. Wenn Länder Mauern zwischen sich bauen und Handelsschranken einführen, bewege sich die Politik im Unterschied zum digitalen Wandel in die falsche Richtung.

„Wir sollten vor der Zukunft keine Angst haben, sondern uns darauf zubewegen“, riet Jim Hagemann Snabe den Besuchern am SAP Live Campus 2018 zum Abschluss seines Referats. „Jetzt ist der Zeitpunkt, um Ihr Geschäft und die Gesellschaft neu zu erfinden.“

Source: Netzwoche Oliver Schneider